Rund um den Hauptbahnhof

Rund um den Hauptbahnhof

Ein Neujahrsspaziergang in Berlins Mitte

In der unmittelbaren Umgebung des Berliner Hauptbahnhofs wird es in naher Zukunft viele Veränderungen geben. Wer sich einprägen möchte, wie es derzeit aussieht, sollte einen Spaziergang rund um den Hauptbahnhof starten – dabei aber einen Fotoapparat mitnehmen.

So sehen die derzeitigen Bebauungspläne einen würfelförmigen Geschäftsbau auf dem Washingtonplatz und einen Hotel- und Konferenzneubau nördlich des Hauptbahnhofs vor. Am Humboldthafen wird eine Kunsthalle gebaut, die später den freien Blick von der Invalidenstraße zum Hauptbahnhof verstellen wird.
Aber auch etwas weiter weg vom Hauptbahnhof, an der Heidestraße und dem Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, wird sich viel verändern. Dort, wo früher der Hamburger Güterbahnhof war und in den letzten Jahren Speditionen und Kleingewerbe ansässig waren, wird ein Stadtteil mit hochwertigen Wohnungen und einem kleinen Sporthafen entstehen.
Unser Spaziergang im neuen Jahr beginnt auf dem am nördlichen Ausgang des Hauptbahnhofs gelegenen Europaplatz. Vor uns liegt der neue Geschichtspark, der auf dem Gelände eines ehemaligen Gefängnisses gestaltet wurde.  Der sternförmige Grundriß dieses Gefängnisses wurde mit Buchenhecken und Rasenflächen nachempfunden. Die noch vorhandenen Häuser der Gefängnisbeamten ergänzen die Anlage.
Unser Weg führt uns in östlicher Richtung in die Invalidenstraße. An der Ecke Heidestraße befindet sich zur linken Hand das Berliner Sozialgericht, während unser Blick nach rechts schon das weitläufige Gelände der Charitè mit seinem im Vordergrund stehenden Gebäude des Pathologischen Instituts wahrnimmt. Diese beeindruckende Backsteinbau wurde umfassend saniert und beherbergt das Medizinhistorische Museum.

Hamburger Bahnhof an der Invalidenstraße (Foto: Siebke)
Weiter führt uns unser Weg vorbei am ehemaligen Hamburger Bahnhof, in dem Kunstausstellungen gezeigt werde. Er liegt direkt am westlichen Ufer des Berlin-Spandauer Schiffahrtskanals. Hier verlief bis 1989 die Berlin teilende Grenze. Wenn wir über die Sandkrugbrücke gehen, wenden wir uns gleich links dem am östlichen Ufer des Berlin-Spandauer Schifferkanals verlaufenden Weg zu. Wir gehen hinter dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) am Kanal entlang. Erichtet wurde ein erstes Gebäude an dieser Stelle im Jahr 1747 als Invalidenhaus auf Geheiß Friedrich II. Von Preußen. Es diente kriegsinvaliden Soldaten als Unterkunft. Später wurde die Gebäudeanlage erweitert.
Der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal wurde in der Zeit von 1847 bis 1860 als Entlastung für die  Spree gebaut. Er ist 15 Kilometer lang und verbindet die Spree (Humboldthafen) mit der Havel in  Spandau.
Die Promenade, auf der wir gehen, wurde nach dem Fall der Mauer 1989 und der Aufhebung der Grenzanlagen angelegt und führt hinter dem Invalidenfriedhof entlang bis zum Nordhafen im Wedding. Sie soll ein Bestandteil der Grünverbindung Gleisdreieck – Tiergarten – Nordhafen – Rehberge des Freiraumsystems von Berlin werden. Beim Bau der Mauer wurde der Friedhof teilweise zerstört und war nur teilweise zu betreten. Viele bekannte Persönlichkeiten sind hier begraben.
Läßt man den Blick über den Kanal hinweg schweifen, so sind am westlichen Ufer die Anlagen und Gebäude des bereits erwähnten ehemaligen Hamburger Güterbahnhofs und der Speditionsfirmen zu sehen.
Wachturm mit Gedenkstätte Günter Litfin (Foto: Siebke)

Wir gehen weiter auf der Promenade bis zum einzigen, noch erhaltenen Wachturm der ehemaligen Grenze. In ihm erinnert die Gedenkstätte Günter Litfin, an den ersten erschossenen Flüchtling nach dem Mauerbau am 13. August 1961. Das geschah am 24.8.1961 am Humboldthafen.
Über die Kieler Straße verlassen wir die Promenade und gehen vorbei am Bundeswehrkrankenhaus  in die Boyenstraße und von dort links in die Chausseestraße, wo wir auf eine große Baustelle treffen. Hier baut auf dem Gelände des ehemaligen Stadions der Weltjugend der Bundesnachrichtendienst seine neue Bundeszentrale. An der Baustelle vorbei führt unser Weg rechts in die Habersaathstraße. Wir folgen ihr und sehen vor uns das BMWi von der Vorderseite.
Zurück über die Sandkrugbrücke gelangen wir wieder zum Hauptbahnhof.

Peter Siebke
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