Ein ganz besonderes Datum in der Weltgeschichte markiert den sprunghaften Anstieg der Mobilität des Menschen – 1492 – die Entdeckung Amerikas durch Columbus. Heute hat unsere Mobilität ein Ausmaß erreicht, welche jegliche Schranken überwinden lässt. Von fast jedem Ort der Welt reist der Mensch in kürzester Zeit überall hin.
Lange Zeit gab es für fast alle Pflanzen- und Tierarten unüberwindliche Barrieren. Seien es  geografische (Kontinente, Gebirge, Meere) oder klimatische Schranken, sie alle verhinderten die freie Ausbreitung von Lebewesen.
Nur bestimmten Organismen war es möglich die natürlichen Schranken überwinden. Pflanzen, Vögel und Insekten, die der Wind in ferne Gefilde trägt, oder Meeresströmungen, die sie quasi als Treibgut befördern. Kann ein zufällig verwehtes Samenkorn noch eine eigene Population begründen, so ist dies bei Eiern, Larven und Puppen, oder einzelnen Individuen schon schwieriger. Dort, wo Wind und Wasserströmungen regelmäßig wirken, ist eine stete Verbreitung von Lebewesen mit der Ausbildung von stabilen Populationen durchaus möglich.
Veränderte Klimatische Bedingungen während der Erdgeschichte gestalteten bewegliche Grenzen. Wie etwa das Ende einer Eiszeit mit der Pflanzen und Tiere wieder neue beziehungsweise alte Lebensräume besiedeln. Veränderungen in der
Zusammensetzung von Gebietspopulationen gab es also schon immer – nur eben über sehr lange Zeiträume.
Der Mensch begann schon in der Frühzeit seine Umwelt zu beeinflussen. Galt dieses vor vielen zehntausend Jahren nur für überschaubare Gebiete, steigerte sich der Umfang im Altertum schon sehr auffällig. Heute können wir ohne weiteres annehmen, dass es kaum eine Landschaft gibt, die frei von unserem Einfluss ist.
Gibt es an einem Ort Pflanzen und Tiere mit gewünschten Eigenschaften nicht, so werden sie herangeschafft. Mais, Tabak, Kartoffeln wurden im Laufe der Zeit zu „einheimischen” Gewächsen. Kaninchen, auf Inseln ausgesetzt um eine regelmäßige Nahrungsquelle zu schaffen, entwickelten sich mangels natürlicher Feinde und ihrer hohen Vermehrungsrate zu einer Gefahr für die Ernte.
Neuerdings werden gebietsfremde Organismen, die vor 1492 (Columbus entdeckt Amerika) in ein vorher für sie nicht erreichbares Gebiet gelangten, als Archäobiota (Archäophyten: Pflanzen; Archäo­zoen: Tiere; Archäomyceten: Pilze), später auftauchende, als Neobiota bezeichnet (nicht einheimische Organismen: Neophyt, Neozoe, Neo­mycet). Dabei ist es zunächst unerheblich, ob ein direkter oder indirekter menschlicher Einfluss notwendig war. Ausschlaggebend ist ihre vom Menschen unabhängige Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit über einen Zeitraum von drei Generationen oder 25 Jahren (nicht ganz unproblematisch).
Lange Zeit wurden Neobiota entweder ausschließlich als lokales Problem gesehen, oder gar verteufelt: „Das sind nicht heimische Pflanzen, die das Ökosystem bedrohen und deshalb vernichtet werden müssen” (MerkurOnline, 21.Juli 2003).
Erst Anfang der 90er Jahre erkannte man die globale Problematik. Der Erkenntnis folgte 1992 ein Übereinkommen über die Biologische Vielfalt, nach der jede Nation sich verpflichtete, Maßnahmen zum Erhalt einheimischer Arten zu treffen. Dies galt sowohl für präventive Aktionen, als auch als direkte Reaktion auf akute Zustände.
Wie kommen die „Neuen” nun zu uns? Jeder (Klein-)Gärtner mit Freude an exotischen Pflanzen trägt seinen Teil dazu bei, wie die Kanadische Goldrute oder die Robinie, die jeweils im 17. Jahrhundert eingeführt wurden. Tierfreunde, die sich ihrer schwierig gewordenen Lieblinge (Rotwangen-Schmuckschildkröte) entledigen. Dies sind aber nur die offensichtlichen Wege.
Importiertes Saatgut, oder Futtergetreide enthält immer unerwünschte Bestandteile. Der Handels- und Reiseverkehr lässt Pflanzen und Tiere vormals unüberwindliche Schranken passieren. Sei es nun im Passagier- und Frachtraum, oder  im Ballastwasser großer Schiffe (welches häufig erst im Hafenbereich abgelassen wird). Seit einiger Zeit ist dies als ein bedeutendes Problem erkannt geworden. Eine Vielzahl von Lebewesen überwinden so tausende von Kilometern.
Der Kanalbau verbindet vormals getrennte Ökosysteme, Wasserflugzeuge verteilen an ihren Kufen anhaftende Organismen. Nutztiere werden zur Zucht (Fleisch, Fell) weltweit exportiert. Neuerdings kommt ein weiterer Faktor hinzu. Genetisch veränderte Tiere und Pflanzen werden zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Natürlich gelangt immer ein Teil in die Freiheit, allen gegenteiligen Behauptung zum Trotz. Wiederum ein Teil davon überlebt – und vermehrt sich.

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