Umweltminister Röttgen stimmte seiner „Entmündigung“ zu

Das Umweltministerium blieb bei der Gestaltung des Atom-Vertrags ausgeschlossen

Ungläubiges Kopfschütteln macht sich breit. Der Umweltminister, der sich dem Druck der Atomindustrie-Lobby geschlagen geben musste, war offensichtlich zu freundlichem Abnicken verdammt. Er fand das sogar ok. Allein das Kanzleramt und das Bundesfinanzministerium hatten mit der Atomindustrie verhandelt. Jetzt will niemand im Finanzministerium mehr nachvollziehen können, wer überhaupt seine Unterschrift unter das Papier gesetzt hat. Graue anonyme Gestalten entscheiden im Geheimen hinter verschlossenen Türen, setzen Unterschriften unter ein Papier und verschwinden dann im Nichts? Wie geht das?

Für wie dumm sollen die Bürger noch verkauft werden? Dass sie verkauft wurden, scheint ja immer klarer zu werden. Die Sicherheit der Atomkraftwerke wurde ganz offensichtlich als nebensächliches Thema angesehen. In solch einem Fall muss das Umweltministerium natürlich auch nicht mehr dabei sein. Ganz klar. Das hätte man doch gleich sagen sollen …

„Merkel hat Röttgen wie einen Schuljungen vor der Tür stehen lassen“, so der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann.

„Röttgen steht mit dem Rücken zur Wand. Er verteidigt ein aus seiner Sicht falsches Energiekonzept“, so der SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber.

Der Umweltminister kann einem inzwischen fast leid tun. Röttgen ist nicht nur hinter seinen anfangs propagierten Wünschen zurückgeblieben, er hat sie quasi völlig aufgegeben – sie dem Kommerz geopfert. Die  gleichen Argumente, die er vorher für seine Vorstellung eines Umstiegs auf erneuerbare Energien benutze, müssen nun als Erklärung für des Vertragswerk herhalten, mit dem der Atomindustrie dreistellige Milliardengewinne zugesichert wurde. Das Mitleid muss sich aber in Grenzen halten, weil die massive Förderung der Atomindustrie nicht nur auf viele Jahre weiterhin hochradioaktiven Müll entstehen lässt, dessen Endlagerung auch in Zukunft ein ungelöstes Problem sein wird, nein, damit bremst man die Entwicklung der erneuerbaren Energien massiv aus.

Werden so zukunftsträchtige Entscheidungen getroffen? Röttgen hat, als er Energiekonzept der Regierung vorstellte, von „moralischen Dimensionen“ in der Klimapolitik gesprochen. Von welcher Moral ist hier die Rede?

Geheimvertrag der Bundesregierung wurde nach massiven Protesten veröffentlicht

Atomindustrie kann Förderung der alternativen Energien drosseln

Nach massiven Protesten ist jetzt der Vertrag zwischen Bundesregierung und EVUs (vom 6.9.2010) veröffentlicht worden. Er entlarvt die Ignoranz beider Vertragsparteien. Hier auch auf den Seiten der Bundesregierung als PDF: Eckpunktevereinbarung mit den Energieversorgungsunternehmen

Einleitend wird behauptet, dass die Energieszenarien, die im Auftrag der Bundesregierung erstellt wurden, positive volkswirtschaftliche Effekte hätten. Seltsam nur, dass andere genau das Gegenteil verkündeten.

Da aber die Befürworter der Atomenergie schon immer selektive Berechnungen durchführten, ist das Ergebnis nicht wirklich verwunderlich. Die Wirklichkeit wird solange verbogen, bis sie passt.

Erstaunlich ist die Feststellung, das Atomenergie die Importrisiken begrenzt. Fördern wir neuerdings das Rohmaterial für Brennstäbe im eigenen Lande?

Atomenergie soll strompreisentlastend wirken. Warum sind dann in den letzten Jahren die Strompreise um mehr als 50 Prozent gestiegen, während die Stromriesen gleichzeitig Rekordgewinne in Milliardenhöhe einfuhren – mit stetig steigender Tendenz.

Alles alte Hüte. Warum sollen diese Mantras glaubwürdiger werden, nur weil sie beschönigend einen Vertrag zieren, den der gemeine Wähler wohl nicht sehen sollte.

Nach diesen betont sicheren Aussagen beginnt nun der relativierende Teil des Vertrages. Nun scheint eine Laufzeitverlängerung nur noch als das geeignete Instrument für den Übergang in das regenerative Zeitalter zu sein. Wurde da den Schreibern des Vertragstextes die Fragwürdigkeit der eigenen Studien bewusst?

Die besondere Betonung des Sicherheitsaspektes ist das Papier nicht wert, auf dem es steht. So ist es der blanke Hohn, wenn die Betreiber der Atomkraftwerke teilweise selbst die Überprüfung der Anlagen durchführen – und sich dann noch in Form von Gutachten die Sicherheit für viele Jahre in die Zukunft bestätigen. Ein normaler PKW muss alle zwei Jahre zum TÜV. Kernkraftwerke offensichtlich deutlich weniger.

Das kann nicht sein?

Doch!

Das Magazin Kontraste deckte einen unglaublichen Skandal auf. Kontrolliert wird die Sicherheit von Reaktoren z.B. durch den TÜV-Süd. Dieser befindet sich als Aktiengesellschaft zu zwei Dritteln im Besitz des TÜV Süd e.V.. Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Energiekonzerne Eon, Vattenfall und EnBW.

Noch Fragen?

Ach übrigens. Dies ist der Regierung wohl bekannt …

Kritik des Greenpeace-Atomexperten Tobias Münchmeyer am Vertrag:

„Im Geheimvertrag steht schwarz auf weiß, dass es in den nächsten Jahrzehnten durch die Atomkonzerne keine Förderung von Erneuerbaren Energien geben wird. Dieses Papier entlarvt das sogenannte Energiepolitische Konzept der Bundesregierung als einen groß angelegten Betrug an der Bevölkerung.“

Da den Vertragsparteien nicht entgangen ist, wie stark die Ablehnung gegen eine Laufzeitverlängerung in Politik und Gesellschaft verbreitet ist, hat man sich selbstverständlich gegen mögliche zukünftige Störfälle abgesichert.

Paragraph vier des Vertrages sichert den Stromkonzernen Beitragskürzungen zum Eneuerbare-Energien-Fonds zu, wenn eine zukünftige Regierung Kraftwerke abschaltet oder deren Laufzeit verändert.

Ebenso können die Beiträge gekürzt werden, wenn eine zukünftige Regierung die Atomstromkonzerne nennenswert an den Entsorgungskosten beteiligen sollten.

  • Die Nachrüstkosten für Atomkraftwerke dürfen von den Fondsbeiträgen zur Förderung der Erneuerbaren Energien abgezogen werden, sobald sie 500 Millionen Euro übersteigen.
  • Zusätzlich kann  jede Erhöhung der Brennelementesteuer von den Beiträgen für den Erneuerbaren-Energien-Fonds abgezogen werden.

Zwei Szenarien sind denkbar. Es finden nur sicherheitsrelevante Nachbesserungen bis zu einem Betrag von 500 Millionen Euro statt, oder aber die erneuerbaren Energien bekommen weniger Geld.

Vor Steuererhöhungen haben sich die Atomstromproduzenten geschützt – oder es gibt auch hier weniger Geld für die erneuerbaren Energien.

Nun bedeutet dies alles natürlich nicht, dass die vier Mitglieder des Strom-Oligopols nicht in erneuerbare Energien investieren. Dies tun sie schon in erheblichem Maße. Gelb haben sie genügend dafür – in Zukunft sogar viel, viel mehr! Damit zementiert die Bundesregierung bewusst die bestehende Machtverteilung im Strommarkt. Der Verbraucher bezahlt in jedem Fall die Zeche. Preiserhöhung wird es auch in Zukunft munter weiter geben. Möglicherweise sogar in höherem Ausmaße als vorher.

Die Kosten für den strahlenden Müll bezahlt – natürlich – der Steuerzahler. Wenn es in einem Meiler dann zu einem großen Zwischenfall kommen sollte, was mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher wird, dann ist es halt einfach Pech! Für den Fortschritt müssen eben Opfer gebracht werden…

Alles in Allem ist wohl deutlich geworden, wie sehr die Bundesregierung einen Kniefall vor der Atomlobby begangen hat. Das ist wirklich eine Revolution …

Kanzleramt erzeugt kollektive Trugbilder

Kanzleramt erzeugt kollektive Trugbilder

Gipfel zur „Elektromobilität“: Schienenbranche sitzt am Katzentisch

Berlin. Nachdem sich bereits Umwelt- und Verbraucherverbände von dem heute stattfindenden Gipfel zur „Elektromobilität“ distanziert und der ADAC sogar seine Teilnahme abgesagt hat, kritisiert die Schienenlobby den vom Kanzleramt einberufenen Gipfel als „Etikettenschwindel“. „Die real existierende Elektromobilität mit der Eisenbahn bleibt außen vor, die Schienenbranche sitzt am Katzentisch. Die Regierung setzt Elektromobilität mit Elektroautos gleich, alleine das ist schon ein skandalöser Kniefall vor der Autolobby“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege am Montag in Berlin. „Statt die Mobilität von morgen insgesamt zu betrachten, verfällt das Kanzleramt in Kästchendenken und erzeugt kollektive Trugbilder. Die geballte Aufmerksamkeit gilt einem einzigen Verkehrsträger, dem Automobil“, sagte der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses.
Die Allianz pro Schiene kritisierte, dass die gegenwärtigen Bemühungen um die Elektromobilität das sehr vordergründige Ziel hätten, „neue Subventionstöpfe für die Autoindustrie aufzustellen“. Flege zeigte sich außerdem befremdet darüber, dass die „Nationale Plattform Elektromobilität“ mit einem großen N daherkomme. „Während der Fetisch Auto bei jungen Deutschen unwiederbringlich an Glanz verliert, drapiert sich die Autobranche mit Hilfe der Regierung als vaterländische Heilsbringerin. Hier geht es offenkundig nicht um eine Zukunftsdiskussion, sondern um das Gegenteil davon: Um plumpe Emotion.“
Neben dem Qualitätsproblem, dass strombetriebener Straßenverkehr nicht automatisch umweltfreundlich sein würde, gibt es nach Einschätzung der Allianz pro Schiene auch ein Problem mit der Quantität: Während im Schienenverkehr zur Zeit fast 90 Prozent der Personenkilometer elektrisch gefahren werden, käme der Straßenverkehr 2020 gerade mal auf einen Anteil von geschätzten zwei Prozent, sollte die Regierung ihr als „ehrgeizig“ eingestuftes Ziel von einer Million Elektroautos bis dahin wirklich erreichen.
Ein verkehrsträgerübergreifender Gipfel zur Elektromobilität müsste selbstverständlich auch die erheblichen und schnell realisierbaren Möglichkeiten des Eisenbahnsektors ausschöpfen: „Die Elektrifizierung weiterer Strecken, die Förderung von Hybridlokomotiven oder anderer neuer Antriebstechniken. Wir könnten uns auch ein großangelegtes Straßenbahnbauprogramm für deutsche Städte vorstellen, wie es Frankreich gerade aus der Taufe hebt. All das wäre Elektromobilität in Reinform“, sagte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer.

Über die Allianz pro Schiene:

  • Die Allianz pro Schiene ist das Bündnis in Deutschland zur Förderung des umweltfreundlichen und sicheren Schienenverkehrs.
  • In dem Bündnis haben sich 17 Non-Profit- Verbände zusammengeschlossen: die Umweltverbände BUND, NABU, Deutsche Umwelthilfe und NaturFreunde Deutschlands, die Verbraucherverbände Pro Bahn, DBV und VCD, die Automobilclubs ACE und ACV, die drei Bahngewerkschaften TRANSNET, GDBA und GDL sowie die Eisenbahnverbände BDEF, BF Bahnen, FEANDC, VBB und VDEI.
  • Die Mitgliedsverbände vertreten mehr als 2 Millionen Einzelmitglieder. Unterstützt wird das Schienenbündnis von 98 Unternehmen der Bahnbranche.

Mit Quantenphysik und Bioenergie gegen Miniermotten

Mit der Naivität seiner Mitmenschen Geld verdienen

Ich glaub mein Schamane pfeift. Wäre der erste April nicht schon ein paar Tage vorbei, dann wäre ich ja beruhig gewesen. So aber stehe ich nur Kopfschüttelnd da…

Mit Hokuspokus gegen einen Schädling… Da Magie heute von den meisten nicht akzeptiert wird, setzen wir halt moderne Begriffe ein. Bioenergie (z.B. Wilhelm Reich – Orgon-Energie, Körperenergie) hört sich da schon einmal grandios an. Schon allein der Klang lässt Engelschöre singen. Das dieser Begriff  ein völlig unwissenschaftlicher ist und  von niemanden bisher nachgewiesen wurde, stört dabei überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil. Denn der Markt für "Bioenergie" ist groß. Der Begriff spricht ja erst einmal für Energie ohne Nebenwirkungen.

Dazu packen wir dann dann noch den Begriff Quantenphysik, der sich fast mystisch anhört, aber in die Kategorie streng wissenschaftlich passt. Nur die wenigsten können etwas damit anfangen, schließlich bewegen wir uns da in den Bereich der das Verhalten von Materie im atomaren und subatomaren Bereich beschreibt.

Der ultimate Problemlöser ist geboren. Bäume werden nun Homöopathisch, Quantenphysikalisch behandelt, damit ihre Bioenergie wieder ins Lot kommt, ihr Immunsystem wieder gerade gebogen wird…

Einfach toll! Magie in neuen Tüten!

Was ist geschehen. Wir haben seit vielen Jahren ein Problem. Naja, nicht wir persönlich. Die normale weißblühende Kastanie (Rosskastanie) in unseren Breiten hat sich vor vielen Jahren einen eingeschleppten Schädling eingefangen.

Dieser Kleinschmetterling aus der Familie der Miniermotten (Gracillariidae) stammt wahrscheinlich aus Osteuropa. 1984 fand man sie zuerst in Mazedonien, 1994 dann schon in Österreich. Heute gibt es sie überall in Mitteleuropa.

Ein Weibchen legt etwa 20 Eier auf ein Blatt. Die schlüpfenden Larven bohren sich dann einen Gang und bauen diesen Gang später zu einer Mine aus. Für das Blatt bleibt das Knabbern am Zellmaterial nicht ohne Folgen. Was wir als bräunlich welkende Blätter sehen, ist der langsame Tod des Blattes aufgrund mangelnder Ernährung.

Der Stress durch Umweltschäden allein macht es den Bäumen schon schwer genug. Diese kleinen Viecher saugen an der "Lebensenergie" der Bäume.

Der Zyklus Ei – Puppe – Larve – Falter – Ei … geht bis zu viermal im Jahr. Anfangs, noch frisch im Saft stehend kann der Baum dies noch kompensieren. Neue Blätter treiben. Irgendwann kommt der Baum an seine Grenzen. Je weniger Blätter der Baum trägt, um so weniger kann er assimilieren. Nährstoffe fehlen. Weniger Blätter können gebildet werden. Ob ein Baum wirklich daran zugrunde geht, ist noch nicht sicher.

Die Miniermotte, oder genauer Rosskastanienminiermotte ist inzwischen in aller Munde. Immer zum Herbst gibt es Aktionen, um das befallene Laub der Kastanie einzusammeln und so den Vermehrungszyklus zu unterbrechen.

Dieser Falter hat hier keinen natürlichen Feind. Er gedeiht also hervorragend.

Ein wenig Chemie gibt es schon, die hilft. Das Präparat Dimilin (Wirkstoff: Diflubenzuron, ein Benzoylharnstoffderivat; greift in den Chitinstoffwechsel von Insekten und Raupen ein) tötet die Larven ab. Das er aber als Insektizid auch Nutzinsekten tötet, ist solch ein Einsatz sehr zu überdenken. Ein großflächiger Einsatz ist eher abzulehnen.

Manch einer meint, das Präparat würde sich innerhalb kürzester Zeit abbauen und wäre dann unschädlich. Nun hat aber auch der Mensch einen Chitinstoffwechsel, ohne den ein Aufbau von Haut und Haaren nicht funktionieren würde. Babies und Kleinkinder würden besonders betroffen sein, da ihr Stoffwechsel auf höchsten Touren arbeitet..

Der schnelle Abbau funktioniert nur im geeigneten Medium. Im ungünstigen Fall kann es durchaus viele Monate dauern. Seine Abbauprodukte Chlorphenylharnstoff und Difluorbenzoesäure sind höchst stabile Gifte mit zusätzlich kanzeronener Wirkung. Diese sammeln sich im Laufe der Zeit im Organismus an. Besonders in Nervenzellen, dem Rückenmark sowie dem Gehirn.

Diese Form der Problemlösung fällt also aus!

Gut, dass es Menschen gibt, die sich des kniffligen Problems angenommen haben. Auch in den Berliner Bezirken und im Umland sind sie unterwegs. Suchen nach Menschen, denen sie ihr "magisches" Produkt verkaufen wollen. Eine Firma aus Österreich gibt vor die Lösung des Miniermotten-Problems zu haben. Die Firma "Pro Energetic" möchte das aus dem Takt geratene Immunsystem der Pflanzen wieder richten.

Den Grünflächenämtern in Berlin und dem Umland ist das Produkt offensichtlich zu suspekt. Niemand will es haben. In Falkensee scheint sich jetzt ein Freiwilliger für den Freilandversuch gefunden zu haben. Er muss auch nur die Hälfte bezahlen. In der "Testphase" pro Baum 138 Euro. Na, wenn das nichts ist. Ein echtes Schnäppchen.

Ich zitiere hier einfach mal die Aussage des "Bioenergetikers, wie sie in der Märkischen Allgemeinen Zeitung zu lesen war:

„In einem mehrstufigen Herstellungsprozess, der sich an die technische Homöopathie anlehnt, wurde dann im Labor eine quantenphysikalisch aufbereitete Tinktur entwickelt“

Toll! Ich bin begeistert!

Das Präparat wirkt dann folgendermaßen:

„Es enthält zum Einen eine ,Frequenz’, durch die sich die Miniermotten gestört fühlen und den Wirt verlassen beziehungsweise die Larven nicht mehr schlüpfen. Zum Anderen enthält es Informationen, die das Immunsystem der Kastanien gegen Schädlinge stärken.“

 16 Wochen bekommt die Kastanie ihr persönliches Mittel verabreicht.

 

Und wenn sie nicht gestorben ist…

 

 

 

Feigheit vor der Lobby und dem Wahlvolk

Kommunen sollen über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen entscheiden

Diese Überlegung der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gleicht dem Eiertanz den schon ihr Parteikollege Seehofer (seinerzeit Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) vormachte. Schöne Worte im Munde führend, aber wenn Lobby-Interessen oder Wähler daheim vergrätzt werden könnten, dann wird zurückgerudert. Verbraucherinteressen sind da eher nebensächlich.

„Die Bundesländer und auch die Landkreise sollten selbst entscheiden können, ob sie auf Grüne Gentechnik verzichten wollen oder nicht“.

Der Sturm der Entrüstung bei den Umweltverbänden ist groß. Das Bundesamt für Naturschutz schließt eine Beeinträchtigung der Gesundheit durch genveränderte Pflanzen nicht aus. Studien von Monsanto und Co. haben sich inhaltlich als nicht sehr belastbar, teilweise sogar höchst zweifelhaft gezeigt. MON 810 des weltweit größten Produzenten in diesem Bereich ist eine Maissorte, die besonders resistent gegen den Mauszündler ist, ebenso aber gegen Pestizide des gleichen Herstellers.

Warum die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner einerseits prüft, ein mögliches Anbauverbot für MON 810 auszusprechen, gleichzeitig aber bis zur kommunalen Ebene eine Entscheidung für gentechnisch veränderte Pflanzen zulassen zu wollen ist völlig unverständlich.

Profitieren davon werden ausschließlich die Lobbyisten der entsprechenden Saatgutproduzenten, die zu ihrem Saatgut gleich die passenden Pestizide im Angebot haben. Der Kampf gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel wäre dann um so schwerer zu führen, wenn nicht gar unmöglich. Absicht?

Umwelthormone im Mineralwasser

In Deutschlands beleibtestem Getränk wurden östrogene Belastungen festgestellt

Rund 138 Liter Mineralwasser trinkt jeder Mensch in Deutschland pro Jahr. Es gibt kaum eine Situation, in der Mineralwasser nicht konsumiert wird. Als banaler Durstlöscher, oder aber als Getränk beim gediegensten Essen. Dies tun wir alle, ohne auch nur einen Gedanken an mögliche Gefährdungen für unsere Gesundheit zu hegen. Warum auch. Schließlich ist es eines der am besten kontrollierten Lebensmittel. Mit dieser Vorstellung könnte es jetzt endgültig ein Ende haben.

Frankfurter Forscher sind bei Untersuchungen zu ganz anderen Erkenntnissen gekommen. Sie wiesen in Mineralwasser Umwelthormone nach. Diese endokrin wirksame Substanzen kommen durch menschliche Einwirkung in die Umwelt. Deren Auswirkung bedarf noch intensiver Forschung. Fakt scheint aber zu sein, das sie eine hormonelle Wirkung bei Mensch und Tier entfalten, indem sie vor allem das Geschlechtshormon Estrogen (Umgangssprachlich Östrogen) beeinflussen. Ein Umstand, der uns mehr als nachdenklich machen muss.

Das Umweltbundesamt förderte ein Projekt, in dem die Belastung mit sogenannten Endokrinen Disruptoren untersucht werden sollte. Generell ist eine solche Belastung von Lebensmittel kein unbekanntes Problem. Diskutiert wird eine solche Problematik schom beim normalen Trinkwasser, welches eine Belastung über das Abwasser erfährt. Normale Kläranlagen können solch hormonell wirksamen Substanzen nicht vollständig beseitigen. Folglich reichern sie sich an.

Ein bekanntes Beispiel einer Substanz, welche sich in Kunststoffen findet ist Bisphenol A. Mehr mehr als drei Millionen Tonnen der Substanz werden jährlich hergestellt. Es ist Hauptbestandteil bei der Herstellung von Polycarbonat eingesetzt. Ein Vielzahl von Trinkflaschen sind aus diesem Kunststoff hergestellt, auch solche für Babies. Aus den Kunststoffen gelangt Bisphenol A dann ins Lebensmittel.

Kanadas Gesundheitsbehörde hat Bisphenol A als gefährlich klassifiziert und will Polycarbonat-Babyflaschen verbieten. Durch Beschluss der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA ist diese Chemikalie nicht als zulassungspflichtig eingestuft und erscheint nicht in der aktuellen Liste. Das Umweltbundesamt ist allerdings anderer Ansicht.

Das Projekt an der Goethe-Universität legte sein Augenmerk aber nicht auf eine Einzelsubstanz. Erstens ist dies sehr mühselig, entspricht letztendlich auch nicht den realen Bedingungen. So sind es eben keine Einzelsubstanzen, sondern im Regelfall eher bunte Mischungen aus Substanzen, mit denen wir es zu tun haben. Dieser Cocktail entfaltet dann seinen Effekt und en gilt es zu bestimmen. Wichtig in dem Forschungsprojekt war also der Versuch, möglichst die gesamte Hormonaktivität der untersuchten Mineralwässer zu erfassen.

Im Rahmen einer Doktorarbeit von Martin Wagner wurde hierzu mit einem genetisch veränderten Hefestamm gearbeitet. Finden sich im Wasser Umwelthormone, die den weiblichen Sexualhormonen ähneln, dann kann dieseren Auswirkung bei der sich schnell vermehrenden Hefe gut beobachtet werden. Die Ergebnisse dieser Beobachtungen lassen sich dann auf den Menschen übertragen. Eine Einschätzung der Östrogenaktivität der Mineralwässer ist so relativ unkompliziert möglich.

Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd. 12 der 20 untersuchten Mineralwässer zeigen eine erhöhte Hormonaktivität. Für Martin Wagner meinte dazu: „Allerdings mussten wir feststellen, dass Mineralwasser hormonell betrachtet in etwa die Qualität von Kläranlagenabwasser aufweist.“

Im Vergleich von Mineralwässern aus Kunststoffflaschen und Glasflaschen zeigte sich, dass  die östrogene Belastung in Wasser aus Polyethylen-(PET)-Flaschen etwa doppelt so hoch ist, wie in Wasser aus Glasflaschen.

Nun musst unterstellt werden, dass dies nicht nur für Mineralwasserflaschen gilt. Wärme, Fett, Säuren und Laugen begünstigen das Herauslösen von Substanzen aus dem Kunststoff. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass wir alle unsere Lebensmittel unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden müssen. Eine hormonelle Belastung ist also nicht auszuschließen. Das große Problem ist eine wirklich eindeutige Bewertung der Auswirkungen von Umwelthormonen auf den Menschen, gerade weil es sich um komplexe Gemische handelt, deren Einzelssubstanzen möglicherweise keine nennenswerten oder nachweisbaren folgen zeigen. Erst im Zusammenspiel entfalten sie ihre fatale Wirkung.

Das komplexe Zusammenspiel von der Aufnahme der Substanzen im Körper über ihre Verstoffwechslung bis zu den eigentlichen Auswirkungen wird noch Anlass vieler Forschungsprojekte sein.

Der in der Zeitschrift „Environmental Science and Pollution Research“ publizierte Artikel von Martin Wagner Jörg Oehlmann ist unter diesem LINK als englischsprachiges PDF-Dokument zu finden.


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