Deutsch ins Grundgesetz?

Da gibt es doch Menschen, die wünschen sich die „Deutsche Sprache“ ins Grundgesetz.Wenn ich mir die Gespräche meiner Mitmenschen anhöre(n muss), dann komme ich fast auf den Gedanken, diese Forderung zu unterstützen.  Der Gedanke an eine gesetzliche Festlegung, auch wenn sie „nur“ ein Bekenntnis ist, verlässt mich glücklicherweise ganz schnell wieder.

Sprache ist gesprochene und geschriebene Sprache gleichermaßen. Gerade bei der geschriebenen Sprache könnte man an einen geistigen Ausverkauf denken, wenn man die bunte Sprachvielfalt in deutschen Schaufenstern betrachtet. Bunte Blätter, die sich Zeitung nennen, tragen ihren Teil zu Sprachverwirrung bei. Wenn sich die Bild-Zeitung zum Sprachrohr für eine Petition macht, sollten alle Alarmglocken läuten. Dieses Blatt ist in seinen Wortschöpfungen höchst kreativ. Wird dies zukünftig deutsche Leit-Sprach-Kultur?

Sprache wird immer etwas dynamisches sein, das spiegelt sich auch im Duden wider!

Petition zur „Deutschen Sprache“.

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die deutsche Sprache als Landessprache im Grundgesetz festgeschrieben wird.
Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) schlagen eine Ergänzung des Artikels 22 des Grundgesetzes um folgenden Satz vor: „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“

Artikel 22 Grundgesetz in der jetzigen Fassung:
II. Der Bund und die Länder (Art. 20 bis 37)

  • (1) Die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Die Repräsentation des Gesamtstaates in der Hauptstadt ist Aufgabe des Bundes. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.
  • (2) Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.

Das Ansinnen wird wie folgt begründet:

Der neue Satz im Grundgesetz bildet
a) einen bindenden Auslegungsmaßstab für die gesamte Rechtsordnung,
b) einen möglichen Ausgangspunkt für künftige Gesetzgebung.
Nicht nur die Funktion der deutschen Sprache als das wichtigste Verständigungsmittel würde anerkannt, sondern auch ihre besonderen Aufgaben innerhalb unserer Gemeinschaft – nämlich als Gerüst für bestimmte kulturelle Ausdrucksformen und als ein Grundmerkmal zur Identifikation. Eine Festschreibung der deutschen Sprache drückt aus, dass diese Sprache in Deutschland eine herausgehobene Stellung genießt. Diese Anerkennung kommt vor allem auch jenen Gesellschaftsgruppen zugute, die einen besonderen Bezug zur deutschen Sprache haben, zum Beispiel Schriftstellern, Journalisten und Lehrern. Und sie würde von diesen Gruppen einfordern, ein Stück weit Verantwortung für die Weiterentwicklung des Kulturguts Sprache zu übernehmen. So bekäme die deutsche Sprache mehr Gewicht bei allen politischen Entscheidungen, die sprachliche Angelegenheiten betreffen, z.B. im Bereich der Schul- und Blldungspolitik oder in der Integrationspolitik. Durch die Festschreibung betroffen wäre natürlich nur die Sprache im öffentlichen Raum, nicht die der Privatsphäre. Die Grundgesetzergänzung richtet sich also nicht gegen andere Sprachen oder gegen die Dialekte.
Die Zustimmung für die geforderte Ergänzung des Grundgesetzes ist in der Bevölkerung groß. Bei Umfragen haben sich mehr als zwei Drittel der Befragten für ein solches Bekenntnis ausgesprochen. In der Europäischen Union haben 17 der 27 EU-Staaten ihre Sprachen als Ausdruck ihrer Kultur in den jeweiligen Verfassungen festschreiben lassen.

Nun kann man ganz provokant fragen, was ist ein Bekenntnis wert, was nicht gelebt wird, oder gar gelebt werden kann? Mehr als ein Bekenntnis scheint hier nicht gefordert. Ist alles nur bildlich gemeint? Hat dann ein solches Bekenntnis etwas im Grundgesetz zu suchen?

Was wollen und die Köpfe hinter der Petition in Zukunft unterjubeln? Der Satz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Der neue Satz im Grundgesetz bildet „einen möglichen Ausgangspunkt für künftige Gesetzgebung“. Welche zukünftige Gesetzgebung? Gibt es dann Strafpunkte in Flensburg, wenn der Berliner „icke“ sagt? Im Wiederholungsfall sind dann 40 Euro zu berappen. Da die Ordnungsämter schon heute die Einhaltung bestehender Verordnungen nicht gewährleisten können – oder wollen – ist ein solcher Ansatz höchst wirklichkeitsfremd.

Bekenntnis nach Wikipedia:

Bekenntnis nennt man die individuelle oder repräsentative offene Äußerung oder das Öffentlichmachen eines den Akteur oder eine Gruppe betreffenden Sachverhaltes, insbesondere als Beteuerung, Coming-out, Emphase, Erklärung, Gelöbnis oder Versprechen.

Deutsche Sprache nach Wikipedia:

Die deutsche Sprache gehört zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen und wird vor allem in Deutschland, Österreich, der Deutschschweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien, Südtirol, im Elsass und von Minderheiten in weiteren mitteleuropäischen Ländern gesprochen. Zu den Varietäten der deutschen Sprache gehören einerseits die deutsche Standardsprache, die auf der Grundlage hochdeutscher Mundarten entstanden ist und auch als Hochdeutsch, Standarddeutsch, Schriftdeutsch oder als deutsche Literatursprache bezeichnet wird, andererseits eine Vielzahl von Lokaldialekten, die sich in hochdeutsche und niederdeutsche Mundarten aufteilen lassen und von der Standardsprache überdacht werden. Das Deutsche ist die meistgesprochene Muttersprache in der Europäischen Union und wird zu den zehn wichtigsten Sprachen der Welt gezählt.

Definition:

Unter dem Begriff „Deutsche Sprache“ wird heute die auf der Grundlage von mitteldeutschen und oberdeutschen Mundarten entstandene deutsche Standardsprache (Standard-Hochdeutsch) verstanden sowie diejenigen Mundarten des kontinentalwestgermanischen Dialektkontinuums, die ganz oder teilweise von dieser überdacht werden.

Standardisierung:

Die hochdeutsche Rechtschreibung wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend normiert. Ein Durchbruch zu einer hochdeutschen „Einheitsschreibung“ gelang mit dem Orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache Konrad Duden (1880), das in der Rechtschreibnormierung von 1901 in leicht veränderter Form – ohne amtlichen Status zu erreichen – zur Grundlage der amtlichen Rechtschreibung erklärt wurde.

Einflüsse anderer Sprachen auf die deutsche Sprache

Durch ihre zentrale Lage in Europa wurde die deutsche Sprache über die Jahrhunderte durch andere Sprachen beeinflusst. Im Mittelalter und der Zeit davor war es vor allem die lateinische Sprache, aus der sich die deutsche Sprache bediente. So sind viele alltägliche Wörter, vor allem aus Architektur, Religion und Kriegswesen (z. B. dominieren, Fenster, Karren, Keller, Kloster) aus dem Lateinischen entlehnt. Auch die griechische Sprache hat das Deutsche in Religion, Wissenschaft und Philosophie stark beeinflusst (z. B. Demokratie, Krypta, Philosophie, Physik). Teilweise verschwanden durch die Entlehnungen die zuvor gebräuchlichen Begriffe vollständig: Arzt, Mediziner und das umgangssprachlich verwendete Doktor verdrängten als Bezeichnung für den Heilkundigen beispielsweise schon frühzeitig die Begriffe Laachi (Lachi) und Bader.

Später war es dann vor allem die französische Sprache, die großen Einfluss auf das Deutsche ausübte. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg an vielen Höfen Französisch gesprochen wurde und selbst preußische Könige diese Sprache besser beherrschten als Deutsch, das nach Voltaire nur zur Kommunikation mit Soldaten und Pferden gebraucht wurde, kamen vor allem Wörter aus dem vornehmen Bereich in die deutsche Sprache (etwa Boulevard, Konfitüre, Trottoir).

Auch aus den slawischen Sprachen (beispielsweise Grenze, Gurke, Pistole), dem Jiddischen und dem Rotwelschmeschugge, Kaff, Schickse, Schlamassel, Zoff) kamen einige Wörter ins Deutsche, jedoch war der Einfluss dieser Sprachen im Vergleich zu den vorgenannten wesentlich geringer. (beispielsweise

In Handel (Magazin, Tarif, Tara), Botanik (Orange, Kaffee, Ingwer), Medizin (Elixier, Balsam), Mathematik (Algebra, Algorithmus, Ziffer), Chemie (alkalisch, Alkohol) und Astronomie (Almanach, Zenit, Rigel) lassen sich auch einige Einflüsse aus dem Arabischen ausmachen, die verstärkt im Mittelalter beispielsweise durch die Kreuzzüge nach Europa und somit auch nach Deutschland kamen. Aber auch in alltäglichen Begriffen wie Koffer, Benzin oder Limonade lassen sich arabische Einflüsse bzw. Ursprünge nachweisen.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts nahm in Deutschland das Englische zunehmend Einfluss auf die deutsche Sprache (siehe Anglizismen). Diese Entwicklung wird von manchen skeptisch betrachtet, insbesondere dann, wenn es genügend deutsche Synonyme gibt. Kritiker merken auch an, es handle sich oftmals (beispielsweise bei Handy) um Scheinanglizismen.

Eine Sprachpolitik, wie sie unter anderem in Frankreich und Island betrieben wird, um eine Anreicherung der Sprache mit Anglizismen zu unterbinden, findet in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr statt.

Rechtliches

In Deutschland ist Deutsch die gebräuchlichste Sprache. Deutsch ist Amtssprache, wird als Standardsprache in den überregionalen Medien und als Schriftsprache verwendet. Als Sprache des Alltags wird es in vielen Regionen fast ausschließlich gesprochen (oft regional leicht eingefärbt). Der Übergang zu den deutschen Dialekten ist fließend.

In Deutschland ist Deutsch:

  • nach § 23 Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) und ebenso
  • nach § 19 Zehntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB X) als Amtssprache,
  • nach § 5 Beurkundungsgesetz als Sprache für notarielle Urkunden,
  • nach § 184 Gerichtsverfassungsgesetz als Gerichtssprache festgelegt.

Die Frage, ob unter Deutsch rechtlich ausschließlich die hochdeutsche oder auch die niederdeutsche Sprache subsumiert wird, wird juristisch uneinheitlich beantwortet: Während der BGH in einer Entscheidung zu Gebrauchsmustereinreichung beim Münchener Patentamt in plattdeutscher Sprache das Niederdeutsche einer Fremdsprache gleichstellt („Niederdeutsche (plattdeutsche) Anmeldeunterlagen sind im Sinn des § 4a Abs. 1 Satz 1 GebrMG nicht in deutscher Sprache abgefaßt.“ – BGH-Beschluss vom 19.11.2002 – Az.: X ZB 23/01), ist nach dem Kommentar von Foerster/Friedersen/Rohde zu § 82 a des Landesverwaltungsgesetzes Schleswig-Holstein unter Verweis auf Entscheidungen höherer Gerichte zu § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes seit 1927 (OLG Oldenburg, 10.10.1927 – K 48, HRR 1928,392) unter dem Begriff deutsche Sprache sowohl Hochdeutsch wie auch Niederdeutsch zu verstehen.

Was genau ist also die deutsche „Deutsche Sprache“, die von den Petenten gefordert wird? Diese Frage ist ebenso wenig zu beantworten, wie die oft vorgetragene Forderung nach einer Leitkultur. Solche Diskussionen laufen inhaltlich und emotional schnell aus dem Ruder. Protagonisten unterschiedlichster Couleur Instrumentalisieren eine Diskussion für ihre Ziele, die manchmal durchaus achtenswert sein können.

Sollten die Gedanken aber in eine ganze andere Richtung gehen, die sich von einer Angst vor Überfremdung leiten lassen, dann begeben wir uns in ein sehr problematisches Fahrwasser.

QR Code Business Card