Der unwirkliche Traum von einer Kopie des deutschen Internets

Webseitenbetreiber haben manchmal nichts zu lachen

Doch jetzt tritt die Deutsche Nationalbiblithek an, das gesamte deutschen Internet abspeichern zu wollen. Dabei wollen sie nicht etwa selbst aktiv werden, wie es große Suchmaschinen tun, die selbst dann noch Internetseiten aus ihrem Cache hervorzaubern, wenn die eigentlichen Seiten schon längst von der Bildfläche verschwunden sind.

Seit 1969 ist in Deutschland die Abgabepflicht einer Veröffentlichung an die Deutsche Bibliothek mittels des Gesetzes über die Deutsche Bibliothek geregelt. In der Neufassung als Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) vom 29. Juni 2006 sind unkörperliche Medienwerke (also auch Internetseiten) ausdrücklich eingeschlossen. Wer dieser Abgabepflicht nicht nachlommt, muss mit einer Geldstarfe bis zu 10000 Euro rechnen.

Niemand kann aber sagen, wie das Problem der regelmäßigen Aktualisierung von Internetseiten in der Pflichtabgabe vernünftig gelöst werden kann. Bis dieses nicht gelöst ist, muss sich kaum jemand Gedanken um rechtliche Folgen machen. Es dürfte auch noch einige Zeit ins Land gehen, bis die Bibliothek über die notwendige Infrastruktur verfügt, um mit diesen Datenmengen sinnvoll umzugehen. In Zeiten der knappen Geldbeutel könnte dies sehr lange dauern.

Wissenschaftliche, institutionelle und kulturelle Web-Publikationen müssen also also abgeliefert werden, während allgemeine Web-Publikationen, wie einfache Web-Blogs nur als Stichprobe erfasst werden. Die Kosten haben die Webseitenbetreiber – genau, wie es auch schon für gedruckte Publikationen gilt – selbst zu tragen. Viel Arbeit könnte auf die Seitenbetreiber zukommen, da die einzelnen Webseiten als PDF über einb Formular abgeliefert werden sollen.

Die Ablieferung von zwei Pflichtexemplaren erfolgt an den jeweils zuständigen Standort der Deutschen Nationalbibliothek, der im Fall Berlins und Brandenburg die Bibliothek in Leipzig ist.

Im Bundesgesetzblatt sind am 22.10.2008 die nun geltende „Verordnung über die Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche Nationalbibliothek“ veröffentlicht worden. Damit ist sie ab dem 23.10.2008 rechtkräftig.

Wieder einmal ein Beispiel für unsinnige Verordnungen, die ihr Papier nicht wert sind. Wie weltfremd müssen die für die Ausarbeitung dieser Verordnung zuständigen Herren sein. Andererseits hatten wir schon einen Bundeskanzler, der dafür war, die Datenautobahnen auszubauen – sprich, zu asphaltieren.

Herr, wirf Hirn vom Himmel!

Selbst die Nationalbibliothek gibt in ihren FAQ vorläufige Entwarnung:

Was geschieht, wenn ein Ablieferer seiner Ablieferungspflicht nicht nachkommt?

Die Entwicklung geeigneter Verfahren für den Massenbetrieb der Sammlung, Erschließung und Archivierung von Netzpublikationen erfolgt stufenweise. Solange die Deutsche Nationalbibliothek die Verfahren und Festlegungen bezüglich Sammlungsumfang, Sammlungstechnik und Verfügbarmachung noch nicht abschließend getroffen hat, wird sie keine Ordnungswidrigkeitsverfahren anstrengen und abzuliefernde Netzpublikationen gegebenenfalls nicht gleich übernehmen, sondern vormerken und erst anfordern, wenn der Stand der Technik und der Absprachen dies zulässt.

Wie werden Netzpublikationen gesammelt?

Gegenstand der momentanen Entwicklungsstufe ist die einzelobjektbezogene Ablieferung von Netzpublikationen mit Entsprechung zum Printbereich, also z. B. elektronischen Zeitschriften, E-Books, Hochschulprüfungsarbeiten oder Digitalisaten. Im Bereich Ablieferung erhalten Sie dazu die notwendigen Informationen.

Derzeit werden Webseiten aller Art, z. B. statische und dynamische HTML-Seiten, Weblogs oder Foren noch nicht gesammelt. Alle Anbieter von Webseiten müssen also in dieser Hinsicht nichts unternehmen und keine Strafen befürchten.

In welchem Dateiformat sollen Netzpublikationen abgeliefert werden?

Netzpublikationen werden in dem Dateiformat gesammelt, in dem sie veröffentlicht wurden. Wird Ihre Publikation in unterschiedlichen Dateiformaten veröffentlicht, beachten Sie bitte unsere Präferenzregelung. Die bevorzugten Dateiformate sind PDF/A und andere PDF-Versionen. Wenn Sie andere Dateiformate liefern wollen, weil Sie kein PDF-Dokument veröffentlicht haben, müssen Sie diese zurzeit noch in eine Archivdatei (ZIP) packen. Bitte liefern Sie uns keine unveröffentlichten, extra für uns hergestellten PDF-Versionen.

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