Mahatma Ghandi hat einmal gesagt, wie auch schon andere mit anderen Worten: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt“.  In Märchen symbolisierte das Tier immer einen Zustand der Bestrafung, den es zu überwinden galt. Wir schaffen es gleichzeitig, ein Tier als geliebtes Wesen hochzustilisieren und es im nächsten Moment zum neutralen Objekt herabzuwürdigen.

Geschichte

Seit Menschengedenken sind Tiere ein untrenn­­barer Bestandteil unseres Lebensumfeldes. Schon sehr früh gab es einige ständige Begleiter. Dazu gehören zuallererst der Hund, aber auch das Pferd. In unserer westlich geprägten Kultur gab es am jeweiligen Status in der „Partnerschaft“ Mensch Tier nur selten wirkliche Zweifel.
Wir nutzen die Tiere gleichermaßen als geliebte Haustiere, wie auch als Nutztiere (Arbeit, Nahrung, Forschung) oder für rituelle Zwecke (Kunst, Religion, „Sport/Wettkampf“).
Im antiken Griechenland gab es unter den Philosophen sehr gegensätzliche Ansichten hierzu. Manch einer, wie Pythagoras, der von Wiedergeburt der menschlichen Seele, auch in den Körpern von Tieren, überzeugt war, weigerte sich, Fleisch zu essen. Wer möchte schon gerne seine eigene Großmutter verspeisen. Der Respekt vor der Kreatur war ihm folgerichtig ein wichtiges Anliegen. Anders dagegen argumentierten Plato und dessen Schüler Aristoteles. Für sie lag der Fall ganz klar. Wer mit dem größeren Verstand ausgestattet ist, darf weniger begünstigte Wesen für seine Zwecke nutzen. Für sie galt dies nicht nur für Tiere, sondern ebenso für ihre „barbarischen“ Mitmenschen, die ohne Gewissensbisse zu Sklaven gemacht werden konnten.
Spätere christliche Traditionen verhielten sich nicht viel besser. Das Bibelwort „Macht euch die Erde untertan“ wurde wortwörtlich in die Tat umgesetzt. Das mit einer Fähigkeit, etwas zu tun gleichzeitig auch eine Verantwortung und Pflicht verbunden ist, gehört erst zu den modernen Erkenntnissen.
Während des gesamten Mittelalter hindurch änderte sich nichts an dieser Vorstellung, wenn man einmal von Menschen wie dem Heiligen Franziskus absieht. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal entsprechende Abbildungen von ihn gesehen – von Vögeln umgeben.
Leonardo da Vinci war in der Renaissance eine seltene Ausnahme, er sah Tiere als leidensfähige Mitkreaturen an. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde ausschließlich dem Menschen ein Bewusstsein und damit eine Seele zugebilligt. Tiere galten nicht mehr als „lebendige Maschinen“, unfähig etwas (wie z.B. Schmerz) zu empfinden, geschweige denn sich ihrer selbst bewusst zu sein. Selbst Kant, der im 18. Jahrhundert für seine philosophischen
Ansätze zur menschlichen Ethik noch heute hoch geschätzt ist, stellte aus den gleichen Erwägungen allein den Menschen in den Mittelpunkt. Doch es gab auch andere Stimmen, die nicht nach Bewusstsein fragten, sondern nach Leidensfähigkeit und der daraus folgenden Verantwortung des Menschen zur Rücksichtnahme.
Tierschutzgesetze sind ein Kind des ausgehenden 19. Jahrhunderts und unserer Zeit.
Allein genügten sie aber nicht, um einen Rechtsanspruch des Tieres gegen Quälerei u. ä. durchzusetzen. Dagegen standen Grundrechte wie das Recht auf Freiheit der Wissenschaft, Kunst und Religion. Folglich wurde nach zähem Ringen eine Erweiterung des § 20a des Grundgesetzes im Jahre 2002 beschlossen.

§ 20a

Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt
und die Rechtsprechung.

Das Tier als Nahrung

In der heutigen Zeit herrscht ein steter Drang nach dem Genuss eines natürlichen Umfeldes. Wir besuchen Bauernhöfe, die in uns die Illusion fördern, Nutztiere sind glückliche Wesen, die unter beneidenswerten Bedingungen aufwachsen. Streicheltiere, die wir später nur noch als Fleisch erkennen. Kaum jemand wäre bereit, ein Tier, welches ihn gerade noch mit großen Augen angeschaut hat, zu töten oder zu verzehren. Zudem soll Fleisch möglichst billig sein, ohne unsere Gesundheit zu gefährden. Ein unvermeidbares Konfliktfeld tut sich auf.
Genau diese Forderung führt zu Haltungsbedingungen, die, wenn ein Mensch vergleichbares erleiden müsste, Proteststürme hervorrufen würden. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten ihr gesamtes Leben auf der Fläche ihres Bettes (kein Doppelbett) verbringen. Dies ist noch eine großzügige Bemaßung. Ein Huhn aus einer Legebatterie verbringt sein kurzes Leben auf einer Fläche, die kleiner als ein DIN A4 Blatt ist. Puten erreichen in kürzester Zeit ein enorm hohes Gewicht, daraus resultieren unausweichlich Kreislauf- und Gelenkprobleme sowie ständige Schmerzen. Diese Form der Tierhaltung hat zur Folge, dass natürliche Verhaltensweisen nicht mehr ausgelebt werden können. Stress, Aggression, Selbstverstümmelung, Langeweile und Krankheiten sind Probleme, denen im großen Maßstab begegnet werden „muss“. Medikamente, Lichtentzug, Verstümmelungen gehören zur
Tagesordnung. Besucher großer Ausstellungen wie der Grünen Woche bekommen völlig realitätsfremde Bedingungen präsentiert. Auf den ersten Blick leben gesunde Tiere auf großzügigem Raum. Im Hintergrund werden Bilder von Mastanlagen präsentiert, die noch sehr junge Tiere in Hallen mit viel Freiraum zeigen. Sind die Tiere aber ausgewachsen, ist der Fußboden nicht mehr erkennbar.
Sogar das Bundesverfassungsgericht stimmte der Aussage zu: „Massentierhaltung ist Tierquälerei“. Die Schweiz lebt seit vielen Jahren ohne Legebatterien im eigenen Lande, zum Wohle der Produzenten und Konsumenten gleichermaßen.
Als besonderer Höhepunkt, industrieller Fleischproduktion und Verwertung ist das
„Recycling“ von Tierkadavern anzusehen. Zu Mehl vermahlen wurden sie an Pflanzenfresser verfüttert. Eiweißhaltiges Zusatzfutter ist unabdinglich in diesem ökonomischen Prozess, da nur so die enorme Produktleistung erzielbar ist. BSE war eine der Folgen. Zustände, die an
einen alten Science Fiktion Film erinnern – „2020, Die überleben wollen“ – nur wurden hier die lieben Mitmenschen verarbeitet, wenn sie ein gewisses Alter erreicht hatten. Wer weis, was die Zukunft noch bringen mag…
Es müssen nicht die Lebensmittelproduzenten sein, die bestimmen, wie produziert wird, was wir kaufen und essen. Würden wir Bewusst konsumieren, bestimmten WIR selbst, was wir essen und nutzen. BILLIG darf uns dabei nicht billig sein.

Das Tier als Therapeut

Tiere tragen unübersehbar zur Steigerung unserer Lebensqualität bei. Allein ihre Nähe
verändert offensichtlich das menschliche Verhalten. Aggressionen bauen sich ab, wir sind entspannter, ja sogar kommunikativer. Wir reden mit dem Tier, als wenn es völlig normal wäre, verbunden mit dem Gefühl, verstanden zu werden.
Unsere menschliche Zuwendung und Pflege wird vom Tier durch ein zugewandtes Verhalten belohnt. Kinder empfinden das Tier als „Mitmenschen“, dem sie all ihre Probleme anvertrauen. Spannungen können abgebaut werden und das Vertrauen der Kinder wächst, erst in das Tier, weil es konstant und „bedingungslos“ ist, dann auch in sich selbst und seine Umgebung. Die Pflege des Tieres, das Eingehen auf seine Bedürfnisse und Grenzen fördert das Verantwortungsgefühl ebenso wie das Selbst­bewusstsein. Schnell wird dem Kind klar, das es vom Haustier gebraucht wird. Respekt und Achtung – nicht nur vor dem Tier – werden
integrale Bestandteile des Lebens. Darüber hinaus entwickelt sich ein Gefühl für eine nonverbale Form der Kommunikation. Die Sinne werden geschärft für die Wahrnehmung von Körper und Seele. Beobachtung und Reaktion auf die Äußerungen des Haustiers haben einen merkbaren Einfluss auf die entsprechenden Fähigkeiten im Umgang mit seinen Mitmenschen. Kinder, die mit Tieren aufgewachsen sind, weisen in der Regel eine höhere soziale und emotionale Kompetenz auf.
Diese Erkenntnisse führten zu einem verstärktem Einsatz von Tieren in physischen und
psychischen Therapien. Sie können alle Sinne ansprechen, sie nehmen Einfluss auf die Psyche wie auch auf die körperliche Motorik oder auf das Gefühl für Rhythmus. Das Tier tritt dabei als Mittler oder Katalysator zwischen Therapeut und Patient auf. Tiere genießen einen grundsätzlichen Vertrauensbonus. Sie sind niemals von sich aus böse oder von Vorbehalten geleitet, ihre Zuwendung scheint immer echt und wahrhaftig zu sein. Gesellschaftliche Konventionen gelten nicht. Berührungen werden nicht hinterfragt, ob sie gerade schicklich sind oder nicht.
Alte Menschen erfahren ihr Haustier als soziale Bezugsgröße. Es kann den Verlust eines nahestehenden Menschen kompensieren. Scheinbar gebrechliche Menschen entdecken ein neues Lebensgefühl, denn das Haustier „zwingt“ sie zu einem neuen Tagesablauf. Es muss gefüttert, umsorgt und ausgeführt werden. Dies führt wiederum zu neuen Kontakten zu anderen Menschen, wobei das Tier unmerklich die Rolle eines Kommunikationsvermittlers einnimmt.
Beispielsweise führte ein Hund in einem Altenpflegeheim zu einer atmosphärischen Veränderung, die Pflegebedürftige wie Personal gleichermaßen beeinflusste. Beide verhielten sich entspannter und es wurde mehr gesprochen. Selbst die Menge der verabreichten Medikamente konnte verringert werden.
Tiere sind also deutlich mehr als nur konsumierte Nutztiere. Zugegeben, auch hier wächst das Tier nicht wirklich weit über den Status eines Objekts hinaus. Idealerweise funktioniert ein gutes Verhältnis aber nur, wenn es halbwegs „partnerschaftlich” verstanden wird. Jeder, der schon einmal eine Katze hatte, weiß sehr wohl, wie schnell ein Tier zum handelnden Subjekt werden kann.

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