Mehr als zehn Jahre ist das Phänomen schon bekannt. Möbel und Wände in Wohnun­gen werden von einem dunklen, rußähnlichen Schmierfilm überzogen. Diese Ablagerungen treten augenscheinlich immer während der Heiz­periode auf. Vor allem Flächen oberhalb von Heizkörpern, sowie Gardinen, Außenwände oder Fensterrahmen als auch Kunststoffflächen oder elektrische Geräte sind davon betroffen.
Versucht man die Ursachen einzugrenzen, dann lohnt es sich, den vorherigen Renovierun­gen in der Wohnung nachzugehen. Maler- und Lackierarbeiten, neue Teppichböden, bauliche Maßnahmen, wie zum Beispiel der Einbau von Heizungsanlagen oder Dämmarbeiten könnten damit in Zusammenhang stehen. Also Verände­rungen, die meist im Frühjahr oder Sommer vorgenommen werden.
Auch nicht außer Acht gelassen werden sollte das Wohnverhalten. Rauchen und die intensive Nutzung von Kerzen öder Öllampen, sowie die Lüftungsgewohnheiten mit seinem Einfluss auf die Raumtemperatur und Raum­feuchte.
In der Tat tragen jene Veränderungen und Wohnweisen zur Fleckenbildung bei. Warum?
Lösemittelfreiheit, ein Märchen?
Viele sind heutzutage bemüht, im Falle einer Renovierung, möglichst schadstoffarme Pro­dukte einzusetzen. „Lösemittelfreiheit“ als Dekla­ration wird dann zum Kaufargument. Da diese Mittel meist weniger stark, oder gar nicht mehr riechen, scheint die Angabe wohl zu stimmen. Der Trugschluss zeigt sich bei der näheren Ana­lyse. Substanzen, die bei Temperaturen ab etwa 200 Grad Celsius sieden, gelten nicht mehr als Lösemittel und tauchen folglich bei keiner Deklaration auf.
Zu jenen schwerflüchtigen organischen Sub­stanzen (SVOC) zählen die, in praktisch allen Kunststoffen enthaltenen Weichmacher (wie Phthalate), Paraffine (langkettige C17-C35-Kohlenwasserstoffe), hochsiedende Alkohole (C10-C16), Fettsäuren und anderes mehr. Sie gelangen zwar sehr langsam, dafür ununterbro­chen über Jahre, und in der Heizperiode ver­stärkt, in die Innenraumluft. Dort reichern sie sich an und können, unter „günstigen“ physikalischen Bedingen, an besagte Stellen kondensieren. Staubpartikel bilden für sie hervorragende Konden­sationskeime. Ähnlich, wie bei Schnee­flocken entstehen so großflächige Gebilde. Der „Fogging-Effekt“ wird sichtbar.
Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ oder die Angabe „Weichmacherfrei“, sind wichtige Ent­scheidungshilfen für den Kauf, bieten aber keine absolute Gewähr für „fogging-freien“ Produkte.

Gesundheitsgefahr, Messungen und Ergebnisse

Bisher sieht es so aus, als wenn von keiner unmittelbaren Beeinträchtigung der Gesundheit durch SVOC ausgegangen werden muss. In der Regel liegen die Konzentrationen der Substan­zen deutlich unterhalb der Gefährdungsgrenze. Erst genaue Untersuchungen durch Sachver­ständige können Sicherheit geben.
Dabei werden unter anderem mit Wärme­bildkameras betroffene Wohnungen über einen längeren Zeitraum beobachtet. Wärmebrücken, kalte Wandbereiche, Luftströmungen sowie Heiz- und Lüftungsgewohnheiten lassen sich so genauestens dokumentieren.
Die schwarzen Flecken bilden sich meist an Orten mit starken Luftturbulenzen, wie sie über Heizungen, in Ecken, an kalten Wandbereichen und oberhalb von Lampen auftreten, oder dort, wo Gardinenstangen oder Mauervorsprünge die Luftzirkulationen beeinflussen. Die dadurch entstehen unterschiedlich erwärmten Nischen, bilden die geeignete Kondensationsfläche für die SVOC’s.
Moderne Technik macht es möglich, den schwarzen Niederschlag zu analysieren. Die Analyse ergibt, dass die Schwärzung von fein­sten Staubpartikeln kommt, an denen die SVOC adsorbieren. Leichtflüchtige organische Substan­zen (VOC) können an dem schwärzenden Effekt ausgeschlossen werden.
Bei den SVOC werden zwei unterschiedliche Reaktionen beobachtet. Einmal können sie an Flächen klebrige Ablagerungen bilden, die dem Material, beispielsweise PVC-Tapete, selbst entstammen (Klebefilmeffekt). Oder sie bilden einen Niederschlag aus der Luft heraus (luftge­tragener Effekt).

Wer ist für die Beseitigung zuständig?

Nur zu gerne möchten wir uns diesem Pro­blems durch intensive Reinigung, Überstreichen oder Tapezieren entledigen.
Oft genügt jedoch schon eine Veränderung der häuslichen Lebensgewohnheiten, um eine Lösung zu erreichen. Bevor aus Angst umfangreiche und teure Analysen durch­geführt werden, reicht meist der gesunde Men­schenverstand aus, um das Problem zu lösen. Stellen sie sich selbst einen Katalog der poten­ziellen Auslöser zusammen. Hilfreich sind auch die örtlichen Gesundheits- und Umweltämter.
Was aber, wenn ein geändertes Wohnver­halten und die anschließende Renovierung kei­nen Erfolg bringen und der angesprochene Ver­mieter jegliche Nachlässigkeit von sich weist?
Die Vielfalt der Ursachen, es könnte sich zum Beispiel auch um den ähnlich aussehenden Schwarzschimmel handeln, vor allem dann, wenn das Problem zu spät in Augenschein ge­nommen wird, macht eine klare Schuldzuwei­sung des Mieters gegenüber dem Vermieter meist unmöglich.
Aber stellt sich zum Beispiel heraus, dass eine Wärmebrücke in der Wohnung die schwar­zen Flecken verursacht, hat der Vermieter für die Beseitigung zu sorgen (Landgericht Duisburg Aktenzeichen 13 S 345/01).

Einflussfaktoren

Renovierungseinflüsse:

  • Einträge schwerflüchtiger Produktkomponenten.
  • Bauliche Gegebenheiten:
  • Wärmebrücken, kalte Wandflächen, ungünstige Luftströmungen, starke Abdichtung der Wohnung (geringer Luftaustausch).
  • Raumausstattung:
  • Materialien und Möbelstücke, die Weichmacher abgeben, wie PVC-haltige Dekorplatten.
  • Raumnutzung:
  • schwerflüchtige Verbindungen aus brennenden Öllämpchen oder rußende Kerzen in Verbindung mit gelegentlichem Heizen, unzureichendem Lüften oder erhöhten Staubkonzentrationen in der Raumluft.
  • Raumklimatische- und Witterungseinflüsse:
  • Zu geringe Luftfeuchtigkeit, erhöhte Elektrostatik der Luft.
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