Kommt her meine Schäfchen…

Vattenfall – Klimaunterschrift

Der Betreiber zweier in die Schlagzeilen geratener Atomkraftwerke und der „schmutzigsten“ Kohlekraftwerke Europas sammelt Unterschriften für die Umwelt.
Die Werbetour unter dem Motto „Ihre Unterschrift kann den Klimawandel stoppen“ führt der Stromproduzent Vattenfall zur Zeit in einigen europäischen Städten. Der Konzern gibt die von ihm verfasste Botschaft vor und lässt sich diese quasi per Unterschrift bestätigen. Für jede geleistete Unterschrift wird dann ein orange-farbenes Männchen aufgestellt. Die Unterschreibenden finden sich dann auch auf der dazugehörigen Internetseite (http://klimaunterschrift.vattenfall.de) wieder.
Am 3. und 4. November 2008 präsentierte sich Vattenfall mit dieser frohen Botschaft auf dem Berliner Alexanderplatz. Ein kleines Meer orangefarbener Männchen füllte den Platz – bewacht von einigen Sicherheitskräften.

Vattenfall Klima-Show
Greenpeace kontert diese Aktion mit einer sehr ähnlich aufgemachten Internetseite (http://klimaunterschrift-vattenfall.de). Dort wird die Erklärung von Vattenfall kritisch unter die Lupe genommen.
Schon Punkt eins der Erklärung ist mehr als entlarvend. Vattenfall möchte einen weltweit gültigen Preis für CO2-Emissionen. Nun kann sich jeder leicht ausrechnen, wie lange es dauern kann, bis eine solche Vereinbarung jemals Wirklichkeit wird. In den langsam mahlenden Mühlen dieses Verfahrens und den vielen Einflussnahmen durch Lobbyisten wird selbstverständlich nur das bestmögliche Ergebnis erzielt werden.
Ferner verschweigt Vattenfall, dass die Stromkonzerne in Deutschland die „Verschmutzungs-Zertifikate“ im Wert von vielen Milliarden Euro bisher geschenkt bekamen. Der Konzern setzt sich aktiv dafür ein, das dies auch in Zukunft so bleibt, damit z.B. das in Berlin Lichtenberg geplante Kohlekraftwerk mit einer Strom-Leistung von 800 Megawatt und 650 Megawatt Wärme-Leistung gute Renditen abwirft.
Dieses neue Kraftwerk wird nach Vattenfall-Angaben jährlich über 4 Millionen Tonnen Kohlendioxid freisetzen. Andererseits würde das Land Berlin gerne seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2010 um insgesamt 25% im Vergleich zu 1990 (30 Millionen Tonnen CO2)reduzieren. Die Errichtung dieses Kraftwerkes würde dies unmöglich machen. Vielmehr erhöht sich in der Folge der Ausstoß an Kohlendioxid um rund 20 Prozent, so der BUND-Berlin.
Gerne wirbt Vattenfall mit neuen Technologien zur CO2-Abscheidung. Diese existieren aber nicht. Der Konzern würde von der EU gerne 10 Milliarden Euro zur Unterstützung seiner Forschung in diesem Bereich haben. Solange keine verwertbare Technik existiert, wird halt weiter CO2 in die Luft geblasen.
Das Braunkohlen-Kraftwerk Jänschwalde in der Lausitz sorgt für 25 Millionen Tonnen CO2-Emissionenpro Jahr.
Mehr als 100000 Unterschriften zeugen durchaus vom Erfolg der Kampagne – die selbstverständlich von den Stromkunden bezahlt wird. Schöne Worte gegen harte Tatsachen…
Ralf Salecker

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