Kreuzberg ist ein Durchgangsbezirk

Erinnerung an Bismarck in der Plamannsche Erziehungsanstalt (Foto: Hermann Syzygos)

Erinnerung an Bismarck in der Plamannsche Erziehungsanstalt (Foto: Hermann Syzygos)

Viele wohnen hier kurzzeitig als Studenten und ziehen nach dem Staatsexamen einen weißen Kittel über und um nach Wilmers- oder Zehlendorf. Andere haben hier das ABC und das große Einmaleins gelernt und später den ersten Sozialstaat der Welt gegründet: Otto von Bismarck.
Er wurde 1822 eingeschult in die heute verschwundene Plamannsche Erziehungsanstalt, die sich 1805 bis 1830 auf dem Gelände der heutigen Stresemannstraße Nummer 30 befand.
Der Pädagoge Johann Ernst Plamann (1771–1834) gründete dieses „Knabeninternat“ nach dem Vorbild Pestalozzis und beschäftigte hier unter anderem auch Friedrich Ludwig Jahn als Hilfslehrer. Bismarck sagte einmal: „Meine Kindheit hat man mir in der Plamannschen Anstalt verdorben, die mir wie ein Zuchthaus vorkam.“
Als Anschieber der parlamentarisch abgesegneten „Sozialistengesetze“ hat Bismarck später reichlich Minuspunkte im linksdemokratischen Aktenschrank gesammelt. Allerdings ist er mit seinen politischen Gegnern Lassalle und Bebel wesentlich menschenfreundlicher umgegangen als später Stalin etwa mit Trotzki.
Die Linken wollen Revolution machen und konnten es noch nie richtig; Bismarck wollte erst nicht und konnte es dann aber doch. Dadurch hat er sich im Liliputanerverein der zu kurz Gekommenen auch keine Freundschaften geschaffen. Dennoch: Der Bismarcksche Sozialstaat wird weltweit kopiert und nachgeahmt.
„Geben Sie dem Arbeiter Arbeit und das Recht auf Arbeit, solange er gesund ist, sichern Sie ihm Pflege, wenn er krank ist, sichern Sie ihm Versorgung, wenn er alt ist“, verlangte Bismarck vom Reichstag. Innerbetrieblich wurde das dort inzwischen ja auch schon sehr schön einhundertprozentig umgesetzt.

Heute freuen wir uns erst mal darüber, dass in Kreuzberg wenigstens diese Tafel noch an Bismarck erinnert, sagt Hermann Syzygos.

QR Code Business Card