Jacques Cousteau hatte in den 50er Jahren noch von der schweigenden Welt der Ozeane gesprochen. Kein Laut, so war er der festen Überzeugung, störe diese unendliche Stille. Er bemerkte aber, dass die Geräusche, die ein Taucher verursacht, noch in hunderten Metern Entfernung zu hören waren. Erst mit Hilfe von Unterwassermikrofonen war es möglich, die sehr schwachen Töne des Meeres vernehmbar zu machen. Woher sie kamen und wer sie verursachte, war damals unbekannt.
Selbst Umberto Pellizari, Weltmeister im Freitauchen ohne Atemgerät aus dem Jahre 2001, schwärmte noch von der Ge­räusch­freiheit des Meeres. In die Tiefen, in die er sich begab, dringt kaum ein Lichtstrahl. Ab einer Wassertiefe von etwa 100 Metern findet keine Photosynthese mehr statt. Unter 1000 Metern herrscht absolute Dunkelheit. Tiere, wie zum Beispiel Wale und Delphine, die in diesen Bereichen leben, nutzen akustische Signale zur Kommunikation, Orientierung, Abgrenzung der Territorien und Nahrungssuche. Die Familien mancher Walarten können anhand des Frequenzspektrums unterschieden werden, in dem sie sich „unterhalten“. Nicht erst seit der Veröffentlichung einer CD mit den Gesängen der Buckelwale ist die Komplexität der Kommunikation von Meeresbewohnern in aller Munde.
Unter Wasser bewegt sich der Schall, abhängig von Temperatur, Druck und Salzgehalt, bis zu fünfmal schneller voran als in der Luft. So können sich einige Walarten über mehr als 1000 Kilometer hinweg verständigen. Manche verwenden ein Sonarsystem, ähnlich wie Fledermäuse, mit hochfrequenten Signalen zur Orientierung, während sie sich in einem völlig anderen Frequenzband untereinander verständigen. Unterschiedliche Tierarten nutzen verschiedene Frequenzbereiche. Selbst einige Fische erkennen ihren Geburtsort anhand eines charakteristischen Geräuschbildes. Töne sind also, auf die eine oder andere Art und Weise, lebenswichtig für viele Meeresbewohner.
Seit vielen Jahrzehnten verändert der Mensch diese natürliche Geräuschkulisse mit einer Vielzahl von Aktivitäten.
Der Lärm des Schiffsverkehrs (permanente Sonare zur Tiefenmessung, Schiffschrauben), Ölbohrinseln, Windparks, Bodenschleppnetze, akustische Scheuchvorrichtungen an Fischereinetzen, die Suche nach Bodenschätzen durch seismische Messungen mit Schallkanonen (bis zu 250 dB), aber auch wissenschaftliche Forschung mit ähnlichen „Instrumenten“, um Erkenntnisse zur Geologie und zur Klimaent­wicklung zu erhalten, bedeuten eine immer bedrohlicher werdende Gefahr für viele Lebewesen.
Besonders der militärische Lärm durch aktive Sonarsysteme, die eine Lautstärke von etwa 240 Dezibel erreichen (das entspricht dem 10 000 000 fachen eines Raketenstarts von 170 Dezibel; 150 Dezibel gelten für Taucher als lebensgefährlich; Schmerzgrenze beim Menschen: 100 Dezibel; Diskothek: 70 Dezibel), entwickelt sich zu einem sehr großen Problem. In einer Entfernung von 500 Kilometern wird unter Umständen noch ein Schalldruckpegel von 140 Dezibel gemessen. Die Vereinigten Staaten planen einen „Klangteppich“, der rund 80 Prozent der Weltmeere beschallen soll (zwei Schiffe, die zusammengerechnet je 57 Tage Dauerschall erzeugen werden) – alles zum Schutz der na­tionalen Sicherheit vor ultraleisen
U-Booten, obwohl sie über passive Mess­geräte verfügen, die zum gleichen Ergebnis kommen. Um den Einsatz der aktiven Sonare zu ermöglichen, sind in den USA die entsprechenden Gesetze durch die Fischereischutzbehörde geändert worden.
Die auffällige Zunahme der Strandung großer Meeressäuger an den Küsten in allen Teilen Welt zeigt nur die Spitze des Eisberges. Exakte Aussagen sind nur selten zu treffen, da noch viel zu wenig über die Lebensgewohnheiten der Meeresbewohner bekannt ist.   Auch Blauwale senden kurzzeitig Töne (18-20 Hertz, rund 15 Sekunden) mit einer Lautstärke von 140 bis 180 Dezibel aus.
Welcher Lärm in welchem Frequenzbereich Schäden bei welcher Tierart hervorruft, kann bisher nur im Einzelfall mit Sicherheit beschrieben werden.
Lärm von Schiffschrauben (auf Schiff­fahrtslinien) kann zur Gehörschädigung (die leicht mit Gewöhnung an die Situation verwechselt wird) oder Taubheit von Walen führen. Kollisionen mit Schiffen sind die Folgen. Abschreckende Geräusche (ähnlich beim Fischfang mit Netzen) verlieren schnell ihre Wirkung, da Wale und Delphine erkennen, dass hier keine Gefahr droht, oder sogar Nahrung zu finden ist.
Dramatischer wirkt sich (aber nicht nur) militärischer Lärm aus. Verhaltensände­rungen (Flucht; Vermeidung von Gebieten, die wichtig für Paarung und Ernährung sein können; Stress: unter anderem Veränderung der Atemrate, von Tauchzeiten und Veränderung der Nahrungsaufnahme) und physiologische Veränderungen bis hin zum Tod sind die Folge.
Gestrandete (vormals nachweisbar gesunde) Wale wiesen schwerste Gewebeschädigungen und Blutungen im Gehirn auf. Innere Organe waren mit Gasbläschen gefüllt, wie sie bei der Taucherkrankheit auftreten. Dies kann geschehen, wenn Tiere – stressbedingt – zu schnell (ohne Druckausgleich) auftauchen und das im Blut angesammelte Gas plötzlich freigesetzt wird. Gleiches bewirkt wohl genauso die direkte Schalleinwirkung auf das Gewebe. Das Gewebe zerreist.
Der bewusste Einsatz von aktiven Sonarsystemen durch das Militär verstößt nicht nur gegen die Agenda 21, die besonders den Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt für zukünftige Generationen fordert, sondern ebenso gegen eine Vielzahl internationaler Vereinbarungen.

QR Code Business Card