Millionenfaches Bienensterben

Insektizides Saatgutbehandlungsmittel als Verursacher

Im April und Mai kam es in einigen Regionen in Südwestdeutschland zu einem großen Bienensterben, bei dem etwa 11.000 Völker (ca. 330 bis 500 Millionen Einzelbienen) erheblich geschädigt wurden.  Es kam zum schlimmsten Bienensterben in der Region „seit 30 Jahren“.

Ökowerk Berlin am Teufelssee im Grunewald; Bienen; Foto: Ralf Salecker

Der Tod in den Bienenstöcken kam mit der Mais-Aussaat.
Das Maissaatgut, war mit dem insektiziden Wirkstoff Clothianidin behandelt. Inzwischen haben die chemischen Analysen des Julius Kühn-Instituts eine Clothianidinvergiftung eindeutig bestätigt. Ein vergleichbares Bienensterben gab es vor einiger Zeit auch in Italien.
Es ist davon auszugehen, dass das nachgewiesene Clothianidin von behandeltem Maissaatgut stammt, bei dem der Wirkstoff nicht ausreichend an den Körnern haftete. In der Folge konnte sich das Gift in der weiteren Umgebung verteilen.
Erhärtet wurde der Nachweis der Herkunft durch die gleichzeitige analytische Bestimmung des Wirkstoffs Methiocarb, welcher gleichzeitig als Fraßschutz gegen Krähen zugesetzt wurde.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ordnete im Mai das Ruhen der Zulassung für acht insektizide Saatgutbehandlungsmittel an. Für vorerst 6 Monate wurde die Aussaat von Maissaatgut mit pneumatischen Geräten zur Einzelkornablage, die mit Unterdruck arbeiten verboten.
Pollenanalysen im Haarkleid der Bienen ergaben eine Vielzahl von Pollen, die zum größten Teil nicht von Pflanzen aus behandeltem Saatgut stammten. Folglich müssen auch andere Pflanzen mit dem Insektizid kontaminiert sein.
Clothianidin, von Bayer unter dem Namen Poncho® vertrieben ist ein Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide, welches gegen ein großes Spektrum von Saatgutschädlingen eingesetzt werden kann. Der Wirkstoff wird von der sich entwickelnden Pflanze über die Wurzel aufgenommen und schließlich überall im Gewebe verteilt. Er ist ein Nervengift, welches sich nur langsam abbaut und damit in der Umwelt stetig anreichert.
Zugelassen ist das Mittel in Deutschland für Kartoffeln, Mais, Zucker- und Futterrüben, Getreide und Raps.
Nicht nur Imker fragen sich natürlich, warum dieses Insektizid zwar an Säugetieren, Fischen und Algen getestet wurde, nicht aber an Bienen selbst, die ja nun zweifelsfrei Insekten sind und zu den „Hauptbetroffenen“ bei einem Einsatz als Saatgutschutz gezählt werden müssten.
Unverständlich ist es, warum das BVL das Insektizid wieder zulassen will.
Französische Veterinärämter empfahlen Imkern zu Frühjahrsbeginn betroffene Gebiete für Jahre zu meiden.
Der größte Teil der Nutzpflanzen wird durch Bienen bestäubt. Erhebliche Ertragsausfälle wären die Folge, wenn Imker entweder „ausweichen“ müssten, oder aber ihre Bienen sterben.

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