Künstler laden zu einer letzten Begehung des alten Schlachthofs ein
Gerade noch sind/waren die Hallen vom Berliner Kunstsalon (bis zum 10.10.) belegt, der im Rahmen des Berliner Kunstherbstes seine Pforten in diesen Räumlichkeiten öffnete.
Nun ruft die Ausstellung pig ment zum letzten Akt.
Der Ort
Der alte Schlachthofkomplex im Prenzlauer Berg ist mittlerweile fast vollständig in eine Wohngegend umgewandelt. An der Landsberger Allee stehen nur noch drei Gebäude in der ursprünglichen Konstellation. Eines davon ist die ehemalige Verkaufshalle für ausländische Schweine.
Dieser Raum, einst Teil einer der größten und modernsten Fleischversorgungsanlagen Europas, ist fast vollständig dem Verfall preisgegeben. Graffiti und Spuren der Verwitterung prägen seine Erscheinung. Im kommenden Jahr wird das Gebäude saniert und Teil eines Kongresszentrums werden.
Mit der Ausstellung pig ment wird die spektakuläre Halle zum letzten Mal in ihrer Ursprünglichkeit zu sehen sein. Als Freiraum für künstlerische Arbeit bietet sie Anlass und Ort einer vom Galerie- und Messebetrieb unabhängigen Gruppenausstellung.
Die Kunst
pig ment thematisiert Veränderungsprozesse anhand des Schlachthofgebäudes. Der Ausstellungstitel weist von der früheren Nutzung zur Kunst. Pigment steht für die künstlerische Sichtbarmachung schlechthin.
Die Arbeiten treten auf verschiedene Arten mit der Halle in Interaktion. So werden Elemente des Raums inszeniert, Veränderungsprozesse werden initiiert oder dokumentiert. Ergebnis ist ein vielschichtiger Dialog zwischen Raum und Kunstwerken, die zum Teil ortsspezifisch entstehen, oder ihm als Fremdkörper begegnen.
Zu sehen sind Zeichnung, Malerei, Plastik, Fotografie, Video und Installationen.
Die Künstler
- Nadya Dittmar
- Kito Kengo
- Keiko Kimoto
- Mareike Lee
- Jan Molzberger
- Sabrina Muller
- Felix Meyer
- Gabriel Rossell-Santillán
- Sarah Schönfeld
- Kei Takemura
- Jakob Zoche
studierten unter anderem bei:
- Lothar Baumgarten
- Rebecca Horn
- und Katharina Sieverding
Sie sind in Berlin ansässig und Teil einer neuen Generation von experimentierfreudigen Künstlern die seit einigen Jahren in Berlin aktiv ist.
Termine
- Vernissage: Fr, 22.10. 19-23 Uhr mit Performances von Kei Takemura und Antonio Paucar
- Finissage: So, 31.10. 16-19 Uhr
Adresse
- in der andel’s a.station, der ehemaligen Auktionshalle für Schweinefleisch des Berliner Zentralviehhofs
- Landsberger Allee 104
- 10249 Berlin
- neben dem S-Bahnhof Storkower Straße
Internet
- www.pig-ment.net
Die Innenaufnahme der Halle (Kopfbild) kann als 360-Grad-Panoramaposter im Format 30 x 88 cm bestellt werden.
Rinderstall, Zentralvieh- und Schlachthof, Prenzlauer Berg, Berlin; Urheber: Stern
Karte des Städtischen Centralvieh- und Schlachthofs in Berlin. Die historische Bebauung (Zustand 1881-1945, teilweise bis 1990) ist in schwarz über der aktuellen Bebauung 2009 dargestellt. Urheber: Maximilian Dörrbecker (Chumwa)
Zentralviehhof Berlin – Skizzen zur Rindermarkthalle; veröffentlicht in: Der Centralvieh- und Schlachthof zu Berlin, Berlin 1885; Autoren: Hermann Blankenstein / August Lindemann
Nachfolgend ein Ausschnitt aus Wikipedia zu den Vieh- und Schlachthöfen:
Zentralvieh- und Schlachthof
Der Zentralvieh- und Schlachthof war der zentrale städtische Vieh- und Schlachthof in Berlin und lag zunächst im Dreieck Thaerstraße–Eldenaer Straße–Ringbahn. Später wurde er nach Nordwesten zwischen Ringbahn und Hausburgstraße bis über die Landsberger Allee hinaus erweitert. Der heutige S-Bahnhof Storkower Straße hieß bis Mitte der 1970er-Jahre Zentralviehhof. Nach dem Bau des Neubaugebietes am Fennpfuhl, für das dieser S-Bahnhof ein wichtiger Einstiegspunkt war, erfolgte die Umbenennung.
Der Zentralvieh- und Schlachthof lag im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg unmittelbar an der Grenze zu Friedrichshain und Lichtenberg. Zum Bezirk Prenzlauer Berg gehörte er seit dem Jahre 1938, als die Grenzen der Berliner Bezirke korrigiert wurden. Davor gehörte er seit der Bildung Groß-Berlins im Jahre 1920 zum Bezirk Friedrichshain.
Überlegungen zum Bau eines städtischen Vieh- und Schlachthofes
Rudolf Virchow schlug bereits 1864 in der Stadtverordnetenversammlung vor, ein von der Stadt Berlin betriebenes, öffentliches Schlachthaus einzurichten, um für die immer weiter wachsende Berliner Bevölkerung eine bessere Qualität in der Fleischversorgung zu gewährleisten. Eine Kommission empfahl 1866, dass ein Schlachthaus zusammen mit einem Viehmarkt auf dem gleichen Gelände errichtet werden sollte, da durch die Kombination für die Viehhändler Kostenvorteile entstehen würden und die Kontrollen in den Ställen und Schlachthäusern vereinfacht werden könnten. Man schlug ein Grundstück in Moabit nahe der Beusselstraße vor, doch die Mehrheit der Stadtverordneten lehnte das Projekt ab.
Am 18. März 1868 erließ die preußische Regierung aufgrund der Missstände im Schlachtgewerbe und der weiten Verbreitung der Trichinose das Gesetz über die „Errichtung öffentlicher, ausschließlich zu benutzender Schlachthäuser“, das sogenannte Schlachtzwanggesetz, das den Bau von kommunalen Schlachthäusern fördern und das anschließende Verbot privater Schlachtereien erlauben sollte. Auch Berlin hatte nun die gesetzliche Aufgabe, ein öffentliches Schlachthaus zu errichten und dort hygienische Kontrollen durchzuführen.
Dass der städtische Vieh- und Schlachthof jedoch erst 13 Jahre später eröffnet wurde, lag an längeren Auseinandersetzungen in der Stadtverordnetenversammlung, hauptsächlich wegen der Kosten und des Lobbyismus von Seiten der Berliner Schlächterinnung. Etwa 800 private Schlachthäuser gab es 1875 in Berlin und Umland. Viele davon schlachteten das Vieh unter sehr schlechten hygienischen Bedingungen und das Fleisch wurde bei den wenigsten kontrolliert. Die Schlächterinnung argumentierte damit, dass die Mehrzahl der Schlachtereien in gutem Zustand seien und man nur die unvorschriftsmäßigen zu schließen bräuchte. Außerdem seien die Straßen Berlins durch den Bau der Kanalisation bereits viel sauberer.
Virchow war 1874, als die Diskussionen um den Bau eines öffentlichen Schlachthofes erneut aufflammten, auch wieder ein starker Befürworter dieses Plans. Der Berliner Magistrat verhandelte mit der Berliner Viehmarkt-Aktiengesellschaft um den Ankauf des Viehmarktes an der Brunnenstraße. Die Mehrheit der Stadtverordneten lehnte 1876 den Kauf aber ab, da die Kosten für die notwendigen Um- und Ausbauarbeiten auf dem Gelände inklusive des Kaufpreises als zu hoch angesehen wurden und das Gebiet wegen des Wachstums der Stadt bereits zu nahe am Stadtzentrum lag. Man wollte lieber ein noch unbebautes Gelände für einen Neubau erwerben. Dafür wurden zwei Areale ins Auge gefasst: das eine in Rummelsburg mit Anschluss an Wasserwege und das andere auf der Feldmark Lichtenberg zwischen Eldenaer Straße und Ringbahn. Nachdem man sich für das zweitgenannte Grundstück entschieden hatte, machte man der Viehmarkt-Aktiengesellschaft ein Gegenangebot in Höhe von acht Millionen Mark, das jedoch nicht angenommen wurde.
Entstehung und Ausbau – Die Anfänge von 1876 bis 1900
So erwarb am 28. Oktober 1876 der Magistrat das 38,62 Hektar große Gebiet auf der Feldmark Lichtenberg für 657.210 Mark, um darauf den Central-Vieh- und Schlachthof zu errichten. Auf der Basis Virchow’scher Hygienevorstellungen und nach Entwürfen von Stadtbaurat Hermann Blankenstein begannen am 26. November 1877 die Bauarbeiten. Am 30. März 1878 wurde das Gelände zur Stadt Berlin eingemeindet, da ansonsten das Schlachtzwanggesetz nicht hätte angewandt werden können. Die Eröffnung fand am 1. März 1881 statt, obwohl noch nicht alle Gebäude fertiggestellt waren. Dies war erst im April 1883 der Fall.
Das Gelände gliederte sich grob in zwei Teile. Im westlichen Teil befanden sich der Schlachthof mit den Anlagen zur Verwertung des Schlachtgutes sowie seiner Koppelprodukte wie eine Kaldaunenwäsche, eine Darmschleimerei, eine Talgschmelze sowie eine zur Lederfabrik gehörende Häute-Salzerei und -trocknerei, eine blutverarbeitende Albuminfabrik sowie ein separater Gleisanschluss. Der Viehhof war durch eine Mauer vom Schlachthof getrennt und dort befanden sich die vier großen Verkaufshallen, zahlreiche Ställe, die beiden Verwaltungsgebäude und das Börsengebäude, welches 1945 im Krieg zerstört wurde. Im Osten gab es noch unbebautes Gelände, das Platz für spätere Erweiterungen ließ. Ganz im Osten lag der Seuchenhof, auf dem verdächtige Tiere gehalten wurden.
Nördlich schloss sich bis zu den Gleisen der Ringbahn der Entladebahnhof zum Entladen des Viehs an. Die Gesamtlänge der Gleisanlagen betrug 15,5 Kilometer und an den fünf Viehrampen konnten fünf Züge von je 400 Meter Länge gleichzeitig entladen werden. In einer Desinfektionsanstalt auf dem Entladebahnhof wurden bis zu 50 Waggons die Stunde nach dem Entladen gereinigt. Ein Haltepunkt der Ringbahn wurde am 4. Mai 1881 eingeweiht. Die Ringbahn kreuzt hier auf zwei Stahlbrücken die Fernbahngleise.
126.347 Rinder, 392.895 Schweine, 111.937 Kälber und 650.060 Hammel wurden im ersten Geschäftsjahr verarbeitet. Erster Verwaltungsdirektor war bis 1901 der Königliche Ökonomierat Otto Hausburg. Ihm zu Ehren wurde 1902 die angrenzende Hausburgstraße benannt.
Aufgrund des gestiegenen Bedarfs entschloss man sich 1889, das Gelände zu erweitern, und kaufte ein nordwestlich gelegenes 10,9 Hektar großes Gebiet zwischen Thaerstraße und heutiger Landsberger Allee für 1,5 Millionen Mark. Von 1895 bis zum 5. Januar 1898 wurde der Neue Schlachthof unter Federführung des Baumeisters August Lindemann mit Schlachthäusern, Ställen, Verwaltungsgebäuden und Kühlhäusern bebaut. Unter der Thaerstraße wurden zwei Unterführungen zur Verbindung der beiden Gelände angelegt, damit die Tiere von den Ställen zu den Schlachthäusern getrieben werden konnten.
Weitere Entwicklung ab 1914
Von 1914 bis 1923 stagnierte die Entwicklung des Zentralvieh- und Schlachthofes aufgrund der kriegsbedingten Inflation. Während dieser Zeit leerstehende Hallen wurden von Privatleuten und Behörden als Lagerhallen genutzt. Ab 1924 begann ein neuer Aufschwung des Vieh- und Schlachtbetriebes, der 1925 durch die Eröffnung einer neuen Fleischgroßmarkthalle auf der gegenüberliegenden Seite der Landsberger Allee und der Verlagerung des Handels aus der Zentralmarkthalle am Alexanderplatz hierher weiter gestützt wurde. Im Zuge dessen wurde die Fremdnutzung der Hallen beendet und diese wurden nun wieder ausschließlich für den Vieh- und Schlachtbetrieb genutzt.
1929 errichtete Richard Ermisch ein neues großes Kühlhaus und 1930 wurde die Rinderauktionshalle um 5000 m² erweitert. In den Folgejahren wurden die Gebäude auf dem Gelände ständig modernisiert. So wurde unter anderem die Außenmauer mit Klinkersteinmauerwerk erneuert. Von 1937 bis 1940 entstand quer über den Viehhof eine etwa 420 Meter lange überdachte und verglaste Fußgängerbrücke, die in einer Höhe von etwa sechs Metern von der Eldenaer Straße zum damaligen S-Bahnhof Zentral-Viehhof führte.
Im Zweiten Weltkrieg entstanden schwere Schäden durch Bombenangriffe erst gegen Ende des Krieges im Jahre 1945, während vorher der Betrieb aufrecht erhalten wurde. 80 Prozent der Gebäude auf dem Alten Schlachthof wurden während des Krieges zerstört, aber die Instandsetzungsarbeiten setzen nach Kriegsende ein, um den normalen Schlachtbetrieb wieder aufnehmen zu können. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg richtete die Rote Armee auf dem Viehhof das sogenannte Kriegsbeutelager 1 ein. Unter anderem lagerten hier bis zum 14. August 1946 die am Ende des Krieges im Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci zum Schutz vor Zerstörung eingelagerten Bleiglasfenster der Frankfurter Marienkirche.[1] Freiflächen auf dem Gelände wurden auch zur Zwischenlagerung von Trümmerschutt genutzt.
Während der Zeit der DDR avancierte der Zentralvieh- und Schlachthof zum führenden Betrieb der fleischverarbeitenden Industrie Ost-Berlins. 1958 wurde der Zentralvieh- und Schlachthof in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt und dieser dann 1963 in das VEB Fleischkombinat Berlin eingegliedert. In zehn Betriebsteilen wurden bis zu 2700 Arbeiter beschäftigt. Man konzentrierte den Betrieb in dieser Zeit hauptsächlich auf dem Gelände des Neuen Schlachthofs zwischen Thaerstraße und Landsberger Allee. Dort war der Schlachthof auch am deutlichsten für Unbeteiligte wahrnehmbar, sowohl durch einen Werksverkauf an der Landsberger Allee als auch durch die Schlachtgeräusche der Schweine. Insbesondere an heißen Sommertagen kam es zu Geruchsbelästigungen der Anwohner. Das Gelände des Alten Schlacht- und Viehhofs wurde nach und nach an andere Staatsbetriebe übertragen.
Nachwendezeit
Nach der Wende wurden die Kombinate zunächst privatisiert und ihr Betrieb 1991 schließlich ganz eingestellt. Die Aufgaben wurden vom gerade erweiterten Fleischgroßmarkt im Großmarkt an der Beusselstraße in Berlin-Moabit übernommen. Das Gelände war daraufhin einige Jahre lang eine Industriebrache.
Im Rahmen der Bewerbung Berlins um die Olympischen Sommerspiele 2000 Anfang der 1990er-Jahre wurde auch das Schlachthof-Areal in die Planungen mit einbezogen. So sollte auf dem Gelände des Alten Schlachthofs ein Mediendorf entstehen, das Wohnraum für alle Journalisten bieten sollte. Da Sydney als Sieger aus dem Bewerbungsverfahren hervorging, wurden diese Pläne jedoch nicht verwirklicht. Das Olympia-Projekt Velodrom wurde dennoch auf dem nördlich der Landsberger Allee gelegenen Areal des Zentralvieh- und Schlachthofs realisiert und 1999 fertiggestellt.
