Die Priesterbruderschaft St. Pius X

Was ist geschehen? Der Papst hat ein paar exkommunizierte Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X oder kurz Piusbruderschaft wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurück geholt. Ein christlicher Akt der Nächstenliebe? Politisches Kalkül? Will der Papst unbedingt die ultrakonservativen Kreise in der katholischen Kirche befriedigen? Waren er und die Entscheidungsträger sich der Konsequenzen bewusst?

Erzbischof Marcel Lefebvre gründete 1970 diese Bruderschaft, um ganz bewusst an alten römisch-katholischen Traditionen – gegen moderne Tendenzen – festzuhalten. Ein paar dieser Traditionen waren im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) bewusst aufgegeben worden.

Ökumene, heute ein wichtiger Schritt zum gegenseitigen Verständnis der Religionen, ist für die Piusbruderschaft ein Frevel. Menschenrechte bedeuten für sie ein Zeichen von Atheismus:

([…] Der Atheismus beruht auf der Erklärung der Menschenrechte. Die Staaten, die sich seither zu diesem offiziellen Atheismus bekennen, befinden sich in einem Zustand dauernder Todsünde. […] Mit Recht können wir daher sagen, dass sich diese Massen zur Hölle hinabbewegen. […]).

In der alten Lithurgieform wird für die Bekehrung der Juden zum „wahren katholischen Glauben“ gebeten – ein eindeutiger Affront.

Damit einher geht die Fixierung auf die römisch-katholische Religion, als dem einzig wahren Weg, zu Gott zu gelangen. Religionsfreiheit ist für die Bruderschaft ein Fremdwort. Nach dem Willen der Piusbrüder soll der Gottesdienst ausschließlich in Latein gehalten werden, während der Priester – von den Menschen abgewandt – mit dem Rücken zu ihnen steht.

Insgesamt stellen sie sich also gegen den Willen des Papstes.

1975 wurde den Piusbrüdern mit Zustimmung von Papst Paul VI. die Anerkennung als katholische Organisation entzogen.

Trotz mehrfachem Verbots weihte Marcel Lefebvre 1976 neue Priester, was zu seiner sofortigen Suspendierung führte. Rechtmäßige Priesterweihen waren nunmehr unmöglich. Wieder wollte er sich den Anweisungen seiner Kirchenoberen nicht beugen. In Folge dessen wurden ihm nun alle Vollmachten seines Priester- und Bischofsamts entzogen. Unbeugsam fuhr er mit seinen Priesterweihen fort. Für ihn war Paul VI. kein rechtmäßiger Papst mehr. Er behauptete sogar, der Stuhl Petri und die amtlichen Stellen in Rom seien von antichristlichen Kräften besetzt.

Der Vatikan wollte und konnte solch abweichlerisches Verhalten nicht dulden. Zähe Verhandlungen begannen. 1988 unterschrieben Lefebvre und für den Vatikan der damalige Kardinal Joseph Ratzinger – und heutige Papst Benedikt – eine Erklärung, in der er gelobte, der katholischen Kirche sowie dem Papst und seinem Primat als Oberhaupt der Gesamtheit der Bischöfe immer treu zu sein.

Von ihm wurde nicht verlangt, den Bedingungen des Zweiten Vatikanischen Konzil in jedem Falle zuzustimmen. Vielmehr sollte er hinsichtlich der vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Liturgie- und Kultreformen, bei deren Studium und einem Vorbringen beim Heiligen Stuhl eine positive Haltung einzunehmen und jede Polemik vermeiden. Insgesamt sollte er selbstverständlich die Disziplin der Kirche achten.

Dafür würden – als versöhnliche Maßnahme des Vatikan – der rechtsfreie Raum der unzulässigen Priesterseminare, sowie die unrechtmäßig geweihten Priester legalisiert. Die Bruderschaft würde als Gesellschaft des Apostolischen Lebens anerkannt.

Noch bevor der damalige Papst Johannes Paul II. seine Unterschrift unter diese Vereinbarung setzen konnte, kündigte Marcel Lefebvre an, einen Nachfolger zum Bischof zu weihen. Damit brach er bewusst die zuvor unterschriebenen Vereinbarungen.

Noch einmal reichte der Vatikan die Hand zur Versöhnung. Lefebvre wurde angeboten, wenn er die unterschriebene Erklärung wahrhaftig akzeptieren und sich ferner beim Papst entschuldigen würde, zu einem etwas späteren – vom Vatikan bestimmten – Zeitpunkt ein geeigneter Kandidat zum Bischof geweiht werden könnte.

Lefebvre setzte eine weitere Forderung dagegen. Nicht einen, sondern drei Bischöfe müssten nun zu SEINEM Termin geweiht werden. Dem konnte der Papst selbstverständlich nicht zustimmen. Nun verwarnte er Lefebvre, das der Vatikan solche Handlungen als schismatischen Akt (Kirchenspaltung) bewerten würde. Trotzdem hielt dieser an seiner Forderung fest und weihte am geplanten Termin dann sogar vier Bischöfe.

Die anschließende Exkommunikation Lefebvres durch Papst Wojtyla, der neuen geweihten vier Bischöfe, sowie des beteiligten brasilianischen Bischofs war dann nur konsequent. Alle Katholiken wurden vom Papst aufgefordert die Handlungen Lefebvres und seiner Bruderschaft nicht weiter zu unterstützen.

Der Heilige Stuhl sieht die Messfeiern der Bruderschaft als gültig an, rät aber vom ihrem Besuch ab. Nur Gläubige, die in der Piusbruderschaft die einzig wahre Kirche sehen und dies im äußeren Bereich sichtbar machen, ziehen sich die Exkommunikation zu.

Was bedeutet eigentlich die Exkommunikation?  Viele meinen, dies wäre praktisch der „Rauswurf aus der Kirche“, dies ist kirchenrechtlich in der römisch-katholischen Kirche nicht möglich. Vielmehr verliert der exkommunizierte einen Teil seiner Rechte und zwar so lange bis die Ursache für die Exkommunikation beseitigt ist, oder das Vergehen wieder gut gemacht ist. Bis dahin ist ihm die Ausübung kirchlicher Ämter untersagt und er darf die Sakramente (z.B. Taufe, Ehe, Kommunion, Beichte, Krankensalbung) nicht spenden oder empfangen.

Wofür steht die Piusbruderschaf?

Die Philosophien von Martin Luthers, René Descartes, Immanuel Kant, Georg Wilhelm Friedrich Hegel und JeanPaul Sartre werden von der Bruderschaft als krankhafte Erscheinungen angesehen.

Nach den Vorstellungen des deutsche Distriktoberen Franz Schmidberger dürfe der Staat in keinem Fall religös neutral agieren. Die Gewalt habe auch nicht vom Volk, sondern ausschließlich von Gott auszugehen. Gotteslästerung wäre folglich zu bestrafen. Eine christliche Gesellschaftsordnung, ohne Ehescheidung, mit Todesstrafe, ohne Abtreibung, ohne Verhütung, mit dem Verbot homosexueller Beziehungen (Schwule sind für sie Perverse) sei das Ziel.

Kritiker werfen der Bruderschaft vor, einen katholischen Gottesstaat anzustreben, andere nennen sie gar demokratiefeindlich. Die offen vorgetragene Zustimmung zu den Militärchuntas in Chile unter Pinochet und Argentinen scheint dieses Argument zu unterstreichen.

Das Frauenbild der Piusbrüder ist mehr als bedenklich. So sprach Richard Williamson in einer Predigt vom September 2001 Frauen Fähigkeiten und Rechte zum eigenständigen Denken, höherer Bildung und Selbstbestimmung ab.

Ein Vertreter der Piusbruderschaft in Norditalien, Florian Abrahamowicz erklärte, dass die Gaskammern zu Desinfektionszwecken errichtet worden seien und er nicht darüber spekulieren wolle, ob es darin Todesfälle gegeben habe.

Zu den sehr orthodoxen religiösen Vorstellungen kommen Aussagen führenden Mitglieder der Piusbruderschaft. Richard Williamson leugnete schon 1989 den Holocaust, indem er während einer Messe im kanadischen Sherbrooke die Vergasung von Juden im Vernichtungslager Auschwitz bestritt. Einen Strafverfahren entzog er sich durch rechtzeitige Ausreise aus Kanada.

Seine aktuellen Aussagen sind nicht viel anders. Im November 2008 leugnete Richard Williamson den Holocaust erneut, indem er in einem Interview die Existenz von Gaskammern in Konzentrationslager und die millionenfache absichtliche Ermordung von Juden dort bestritt.

Aufgrund des stärker werdenden öffentlichen Drucks relativiert er nun seine Aussagen darauf, dass er lediglich die technische Durchführbarkeit und die Zahlen des Massenmordes „anzweifle“.

Wird fortgesetzt…

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