Der Verbraucher will getäuscht werden…

Ein Tag wie jeder andere. Auf dem Weg zum nächsten Termin schreite ich schneller auf die Bushaltestelle zu. Nur ja nicht zu spät kommen. So achte ich nicht auf das, was am Boden liegt und kicke unbeabsichtigt ein kleines Plastikobjekt durch die Gegend.

„A … von Danone, unterstützt die Abwehrkräfte…“, jagt mir da der intensiv eingehämmerte Werbespruch durch den Kopf. Hier war wohl wieder jemand am Werk gewesen, der seiner Gesundheit auf die Schnelle etwas Gutes tun wollte. Mit einem geschickten Griff in den Gürtelholster wird eine kleine Gesundheitsgranate aus dem Viererpack gezupft. Flinke Finger öffnen den Verschluss. In jedem Actionfilm wäre diese Szene stark verlangsamt in Zeitlupe, unterlegt mit dramatischer Musik, zu sehen gewesen. Ein wohliges Aufstöhnen beendet diesen Akt. Die kleine Plastikflasche fliegt in weitem Bogen durch die Luft. Wagners Musik würde aus diesem Objekt keine Raumstation entstehen lassen. Wieder hat ein Mensch das Unmögliche versucht – und ist gescheitert.

Wundertränke gibt es leider nur im Märchen! Der Wunsch, dass es von dieser Regel doch eine Ausnahme gibt, treibt viele Menschen dazu, viel Geld für unnütze funktionelle Lebensmittel auszugeben. Wie schön wäre es doch, wenn wir ewig sündigen könnten, hemmungslos schlemmen, keine ausgewogene Ernährung zu uns nehmen, ohne jemals Konsequenzen dafür tragen zu müssen. Der kurze Griff in die Kühltruhe meines Lebensmitteldiscounters ist so etwas wie die Absolution, die mir ein katholischer Priester erteilt. Leider sind letztere gerade wieder einmal in Verruf geraten. Bleiben mir also doch nur noch Activia und ähnliche Produkte – auf irgendetwas muss ich schließlich vertrauen können. In probiotischen Kulturen liegt das Seelenheil.

Was schert es mich, dass eine winzige Einheit, die fast homöopathisch zu nennen ist, den vierfachen Preis eines handelsüblichen Joghurts aufweist. Da nehme ich den doppelten Zuckergehalt doch gerne in Kauf. Ein Schluck guten Gewissens – und alles wird galaktisch gut!

Sie würden doch auch nicht zum normalen Joghurt greifen? Das wäre nicht cool! Der ist nur etwas für alte Omas und Opas. Ich bin jung und dynamisch. An meinen Darm lasse ich nur Wasser und Actimel. Schon der Gedanke daran lässt mich mit mehr Elan durchs Leben gehen. Was mir dieser kurze Schluck aus dem Designfläschchen an Zeit spart. Joghurt müsste ich löffeln, hier tanke ich das Elexier im Bruchteil einer Sekunde.

Selbst Ökotest hat Actimel für supertoll befunden. Na gut, die haben ja auch etwas ganz anderes getestet. Das muss Danone, wenn es mit dieser Auszeichnung wirbt, nun wirklich nicht erwähnen.

Alles wissenschaftlich bewiesen! Zweifler an den Ergebnissen sind nur neidisch. Sie hätten auch gerne ein Produkt, welches sich sooo gut verkauft. Da verstehe ich die Briten nicht. Behaupten die doch, die versprochene Wirkung wäre nicht wahr. Alle Werbespots mit den „wissenschaftlich belegten Ergebnissen“ wären unwahr. Ich kann´s nicht glauben.

Ganz bestimmt steckt ein abgekartetes Spiel dahinter. In England bekommt man ab 60 auch kein künstliches Hüftgelenk mehr. So wird es wohl auch mit Actimel sein. Die Gesundheit der Bevölkerung soll bewusst torpediert werden. So wollen die Briten ihr Rentensystem retten.

Foodwatch (www.abgespeist.de) hat die Unverschämtheit besessen, im letzten Jahr das Danone-Produkt mit dem „Goldenen Windbeutel“ auszuzeichnen. Fast 50 Prozent der beteiligten Verbraucher erkoren den schlimmsten Etikettenschwindel des Jahres 2009.

Die wissen alle nicht was gut ist. Wen stört es schon, dass ein ganz normaler preiswerter Joghurt eine vergleichbare Wirkung hat? Mich jedenfalls nicht!

Andere hat diese Information anscheinend doch gestört. Danone hatte für dieses Produkt im letzten Jahr erhebliche Absatzeinbußen zu verzeichnen. Sollte es doch Verbraucher geben, die es nicht verknusen können getäuscht zu werden?

Ich habe Angst vor der Zukunft. Dann müssen gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel genehmigt und zuvor von einer neutralen Stelle auf ihre Wirksamkeit geprüft werden. Auf Wiedersehen, du Hort der Träume und Glückseligkeit…

Ralf Salecker

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