Sind deutsche Schüler dumm?

Eine Lehrerin bekommt erstaunliche Antworten

Wieder einmal scheint es klar auf der Hand zu liegen. Schüler haben ein mehr als unzureichendes  Geschichtsbild, um es einmal freundlich auszudrücken. Wie schon in wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre immer wieder festgestellt  wurde, ist das Wissen um die nur kurz zurückliegende Vergangenheit Deutschlands mehr als dürftig.
Wie anders ist es zu erklären, wenn eine Lehrerin einer zehnten Klasse ein paar scheinbar einfache Fragen stellt und Antworten erhält, die einem Nonsens-Magazin entsprungen sein könnten. Leider wird in diesem Einzelfall ein, wenn auch nicht repräsentatives, Bild der Gegenwart gezeigt.
So wurde von einigen Schülern Heinrich Böll als „Erbauer“ der Mauer angesehen. Erschreckend? Oder nur ganz banale Realität? Auch wurde die Mauer errichtet, um den großen Zustrom an Flüchtlingen IN die DDR zu begrenzen. Das Luftbrückendenkmal soll ein Denkmal für die Versorgung hungernder Ostberliner sein. Kann das sein?
Frau Gabriele Frydrych, Lehrerin an einer Berliner Gesamtschule, wollte mit diesen Fragen sicherlich  nicht die Schüler an sich bloßstellen. Bekannt durch ihre Bücher „Du hast es gut! Glossen aus dem  Schulalltag“ und „Dafür hast du also Zeit!: Wenn Lehrer zu viel Spaß haben“ bildet sie mit sehr  lockeren und überspitzen Worten einen Teil der Schulwirklichkeit ab.
Was so lustig daher kommt, hat aber auch einen durchaus ernsten Hintergrund. Schon in einer Studie aus dem Jahre 2007 hielten viele Schüler die Regierung der DDR als durch demokratische Wahlen legitimiert. Könnten sie, liebe Leser, das Datum des Mauerbaus aus dem Ärmel schütteln?
Für die Studie der Freien Universität Berlin aus dem Jahr 2007, bei der mehr als 5000 Jugendliche in vier Bundesländern teilnahmen, waren auch rund 800 Schüler Brandenburgs befragt worden. Jeder zweite Schüler wusste nicht, wann die Mauer gebaut wurde und hielt des SED-Staat nicht für eine Diktatur.
Im Westen nichts Neues? Viel besser waren die befragten Schüler in anderen westlichen Bundesländern auch nicht, auch wenn ein deutliches Ost-West-Gefälle des Wissens zu vermerken war.
Jeder zehnte Gymnasial- und Gesamtschüler (ca. 2300 wurden befragt) im Westteil Berlins und jeder sechste in Ost-Berlin glaubte, dass Helmut Kohl vor 1989 die DDR regiert habe.
Der frühere Stasi-Beauftragten Joachim Gauck versuchte die Ergebnisse dieser Studie und letztendlich auch ähnlicher Untersuchungen aus zurückliegenden Jahren, mit der Befangenheit der Ost-Lehrer und DDR-Nostalgie zu begründen. Eine offensichtlich viel zu starke Vereinfachung, da die Befragungsergebnisse in diesem Fall viel weiter auseinander liegen müssten.
Vier Fünftel der befragten Schüler in Nordrhein-Westfalen beklagten, zu wenig über die DDR zu wissen und bemängelten den unzureichenden Anteil am Unterricht. Was sich in dem Befragungsergebnis deutlich widerspiegelt. Gerade einmal die Hälfte hielt die DDR für eine Diktatur. Ein Drittel stufte die STASI als normalen Geheimdienst ein.
Der Berliner Landesschulrat wollte sich vor einem halben Jahr zu keinen Schnellschüssen hinreißen lassen. Die Vorgaben der Rahmenpläne seien ausreichend. In den aktuellen Schulbüchern wird diese Zeit anscheinen auch mit der notwendigen Neutralität beschrieben, daran besteht kein Zweifel. Nur kommen die Inhalte nicht bei den Schülern an, weil sie wohl anderen Inhalten weichen müssen. An den Schüler scheint es nicht zu liegen.
Ach übrigens, am 17. Juni sind die „Völker“ auf die Straße gegangen, um der Toten aus den Kriegen zu gedenken…    :-(

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