Eine neue Ausstellung im Medizinhistorischen Museum
In den letzten Jahren ist durch Presse, Funk und Fernsehen die Arbeit der Rechtsmediziner immer populärer geworden. Das in diesen Medien vermittelte Bild entspricht jedoch oftmals nicht der Realität.
Rechtsmediziner sind keine Polizeibeamte und auch nicht als Ermittler tätig. Sie führen keinerlei Befragungen über Tathergänge und Motive durch oder sind an Verhaftungen von Tatverdächtigen beteiligt. Rechtsmediziner sind Naturwissenschaftler.
Auch gibt es einen Unterschied zwischen einem Pathologen und einem Rechtsmediziner, was im Fernsehen ständig durcheinander gebracht wird. Ersterer ist für natürliche Todesfälle zuständig, während bei unnatürlichen und ungeklärten Todesfällen der Rechtsmediziner auf den Plan tritt.
Die neue Ausstellung “Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf” des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité, gibt dagegen einen realistischen Einblick in die rechtsmedizinische Arbeit und in ihr Zusammenwirken mit den Ermittlungsbehörden.
Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin der Charitè und dem Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin Berlin.
Die Ausstellung zeigt und erläutert anhand einer Vielzahl von Objekten die unterschiedlichsten Todesursachen, mit denen ein Rechtsmediziner in seiner täglichen Arbeit konfrontiert wird und die er klären muss.
Von einem nachgestellten Tatort wird man ins Labor und vom Gerichtssaal in die Asservatenkammer geführt. So wird im ersten Raum ein Mordfall nachgestellt. Und die echten Tötungswerkzeuge lassen einem den Atem stocken: Teppichmesser, Stichwaffen aller Art, Baseballschläger, Aschenbecher, Gartenhacke, Axt. Alles wird gezeigt.
In einem zweiten Raum werden Aufnahmen von wirklichen Fällen gezeigt. So sind Tatortfotos, Leichnambefunde oder Präparate zu sehen.
Die auf einer Fläche von insgesamt 400 Quadratmeter gezeigte Ausstellung ist systematisch aufgebaut und sehr informativ, weil auch alles von A bis Z zu sehen ist und erklärt wird. Dabei verzichtet die Ausstellung darauf zu schockieren oder mit Gruseleffekten zu arbeiten.
Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog, einem Buch, Führungen und einer Vortragsreihe zu dem Thema.
Interessant ist die in Zusammenhang mit der Ausstellung in einem Interwiev vom Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charitè Berlin gemachte Feststellung, dass es in Deutschland zu wenig Ermittler, Staatsanwälte und Rechtsmediziner gibt. Das ist aus Kostengründen so. Nur mit der Verdoppelung der Kapazitäten wäre der unbefriedigende Zustand, dass jeder zweite Mord unentdeckt bleibt, zu beheben.
Neben dieser zuvor beschriebenen Sonderausstellung gibt es auch noch die neue Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“, die auch sehr zu empfehlen ist.
In der völlig neu gestalteten und räumlich auf 800 Quadratmeter erweiterten Dauerausstellung wird der Besucher, ganz im Sinne Rudolf Virchows, mit auf eine “Reise” unter die Haut genommen.
Beginnend im frühen 18. Jahrhundert mit einem Besuch des Berliner Anatomischen Theaters und des Anatomischen Museums gelangt man in den Seziersaal des Pathologen, in die Präparate-Sammlung Rudolf Virchows und in die Labore der medizinischen Forschung.
Die Ausstellung spannt den Bogen über 300 Jahre Medizingeschichte und ist zu umfangreich um hier noch ausführlich beschrieben zu werden.
Für beide Ausstellungen gilt aber, dass die Besucher 16 Jahre alt sind. Schulklassen können ab Klassenstufe 10 angemeldet werden (Tel.: 030-450-536122).
Ausstellung „Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf“
Zeit:
6. März 2009 bis 13. September 2009
Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr
Mittwoch und Sonnabend 10-19 Uhr
Montag geschlossen
Ort:
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Tel: +49 30 450 536156
www.bmm.charite.de
Vorlesungsreihe zur Ausstellung
vom 24. März 2009 bis zum 8. September 2009
Ort und Zeit: Hörsaalruine des Museums. Beginn jeweils 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Dienstag, 24.03.2009
„Faszination Rechtsmedizin“; Prof. Dr. Michael Tsokos
Dienstag, 21.04.2009
„Der Umgang mit dem toten Körper – kulturelle und ethische Aspekte“; Prof. Dr. Reiner Sörries
Dienstag, 14.07.2009
„Knochen. Bilder. Schatten. Zur materiellen Geschichte des Todes.“; Prof. Dr. Thomas Macho
Dienstag, 18.08.2009
„Interessante Fälle aus der Geschichte des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité“; Prof. Dr. Gunther Geserick
Dienstag, 08.09.2009
„Schauplatz Krematorium – Über den neuen Umgang mit Leichen bei der modernen Feuerbestattung.“; Prof. Dr. Norbert Fischer
Buchlesung „Dem Tod auf der Spur“ am 27. April 2009 und am 19. Mai 2009
Prof. Michael Tsokos, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité präsentiert erstmals sein neues Buch „Dem Tod auf der Spur“.
