Freizeit‑ und Erholungspark Marzahn

Nicht nur Plattenbauten prägen den Bezirk Marzahn!

Marzahn! Wer würde hier einen großen Garten erwarten. Graue Betonsiedlungen sind es, die zumindest dem Berliner aus dem ehemaligen Westteil der Stadt durch den Kopf gehen. Weit gefehlt. Selbst für die Wohnsiedlungen in Marzahn trifft dieses Vorurteil nicht mehr uneingeschränkt zu. Dies merkt der Besucher, der den Weg in den Nordosten Berlins wagt. S-Bahn, Straßenbahn und Bus bieten eine bequeme Anreisemöglichkeit, die schon zu Anfang einen Bezirk zeigen, der dem erwarteten Klischee nicht mehr so ganz entspricht.

Die Neubauten sind zum großen Teil das Ergebnis eines Neubauprogramms in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ehemalige Rieselfelder und landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden bebaut, wobei in die Planung gleich zu Anfang große Areale als Grünflächen aufgenommen wurden.

Am 9. Mai 1987 wurde im Rahmen der 750-Jahrfeier Berlins genau dort die Berliner Gartenschau eröffnet – quasi als „Geschenk“ der Gärtner an die Stadt. Inzwischen erstreckt sich dieses Grün über eine Fläche von etwa 21 Hektar. Die Einbeziehung des Gebietes um den Kienberg führte zu heftigen Diskussionen, da er sich im Laufe der Jahre zu einer naturnahen Grünfläche entwickelt hatte, die eine große Artenvielfalt aufweisen konnte. Die mit der veränderten Nutzung einhergehende Verringerung der Artenvielfalt, wie auch der dann zu erhebende Eintrittspreis, waren die Hauptkritikpunkte.

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(Für eine Ansicht in Google Street View einfach das orange-gelbe Männchen auf die Markierung ziehen)

Kurz nach der Wiedervereinigung Berlins wurde ein Landschaftsschutzprogramm für den gesamten Stadtbereich beschlossen. Es sah einen Inneren Ring an Grünflächen vor, zu dem auch das Schöneberger Südgelände gehört, sowie einen Äußeren Ring. Alle diese Anlagen sollen im Laufe der Zeit miteinander „vernetzt“ werden. Im Zuge dieser Planung wurde das ehemalige Gartenschaugelände ab 1990 in einen Erholungspark umgebaut. Trotz aller Mühe zog es deutlich weniger Besucher (im Vergleich zum Britzer Park – ebenfalls eine der wenigen nach dem Krieg neu angelegten Parklandschaften) dorthin.

An der mangelnden Attraktivität kann es kaum liegen. Kleine schattige Wäldchen wechseln sich ab mit Liege‑ und Spielwiesen. Auch die Gastronomie fehlt nicht. Jahreszeitliche angepasste Bepflanzungen unterschiedlichster Art erfreuen den Besucher.

Chinesischer Garten

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Peking bekam die Stadt den Plan für einen Chinesischen Garten zum Geschenk. Am 15.Oktober 2000 wurde der „Garten des wiedergewonnenen Mondes“ eröffnet – auch als Symbol für die wiedervereinigte Stadt. Umgerechnet viereinhalb Millionen Euro wurden dafür ausgegeben. Mit 2,7 Hektar ist er der größte chinesische Garten in Europa.

Typische chinesische Landschaftsbauprinzipien spiegeln sich dort wieder. Architektur und Natur bilden eine untrennbare harmonische Einheit. Schlichte Materialien wie urwüchsiger Naturstein, Mauerwerk und Holz, zum Teil versehen mit dezenten Farbe aus denen einzig das leuchtende Rot heraussticht, prägen diesen naturverbundenen „südchinesischen“ Stil. Ein Großteil der Materialien stammt aus China, wo auch viele der Bauwerke konstruiert wurden, die sich jetzt über ein Siebentel des Parkgeländes erstrecken.

Gewundene Wege (um Dämonen und böse Geister abzuhalten – denn sie können nur geradeaus gehen) verbinden Pavillons, kleine Gärten, Quellen, Brücken und Wasserfälle, in deren Zentrum wiederum ein 4500 Quadratmeter großer See liegt. Vielfältige Blickachsen und ornamental gestaltete Fensteröffnungen lassen das Auge immer wieder Neues entdecken. Ein Teehaus lädt den Besucher zu einer echten chinesischen Teezeremonie und bietet darüber hinaus viele unterschiedliche Teesorten an.

Japanischer Garten

Der Japanische „Garten des zusammenfließenden Wassers“, wurde im Mai 2003 als ein weiterer Garten in der Reihe „Gärten der Welt“ eröffnet.

Ein Gartenarchitekt und Zenpriester aus Tokio schuf einen Ort, an dem versucht werden soll, die Seele der Dinge zu erkennen. Von Anfang an soll das Werk die Reife des Alters erkennen lassen, verbunden mit dem Wunsch, hiermit das friedliche Miteinander der Menschen auszudrücken. Viel kleiner als der Chinesische Garten, der immerhin der größte seiner Art in Europa ist, spiegelt er damit gleichzeitig die Enge Japans wieder. Die Pflanzen, der kleine Wasserlauf, aber ganz besonders die Steine werden als herausragende Bestandteile der Natur herausgestellt. Über einen kleinen Rundweg, der einen Hügel emporführt, gelangt man am Ende des Pfades in den Pavillon, der ebenso wie der Garten benannt ist. Hier finden (fließen) auch der Wasserlauf wie auch die einer Wasserfläche nachempfundene Steinsetzung zusammen.

Balinesischer Garten der drei Harmonien

Seit Dezember 2003 gibt es den Balinesischen „Garten der drei Harmonien“, der sich geschützt im Gewächshaus des Erholungsparks Marzahn präsentiert und einen Ausschnitt aus einem traditionellen balinesischen Wohnkomplex und eine tropische Pflanzenwelt zeigt.

Im Einklang mit sich selbst und seinem Umfeld soll der Mensch sein Leben führen. Harmonie in allen Lebensbereichen ist das oberste Ziel balinesischer Kultur. Der balinesische „Garten der drei Harmonien“ zeigt Tempelschreine, Wohngebäude und Nutzgärten, hinter denen sich, wie auf Bali selbst, direkt der Urwald erstreckt.

Orientalischer Garten der vier Ströme

Mit dem Orientalischen „Garten der vier Ströme“ wird seit Juli 2005 die Gartentradition verschiedener orientalischer Länder und seit April 2006 im neuen Koreanischen „Seouler Garten“ eine abwechslungsreich gestaltete Natur nahe Landschaft präsentiert.

Der Orientalische Garten versucht die Idee des Paradieses („para-deiza“: altpersisches Wort für Garten), wie sie im Alten Testament oder im Koran beschrieben wird, ganz irdisch umzusetzen. Unterschiedliche orientalische Einflüsse sind hier zu einem Sinnbild für Frieden, Schönheit, Wohlstand und Glück verschmolzen.

Seouler Garten

Der „Seouler Garten“, ein Geschenk Koreas an Berlin, soll ein Ort sein, wo Menschen Freude, Anregung und Entspannung in einer abwechslungsreich gestalteten naturnahen Landschaft finden können. Vier von Mauern umschlossene Höfe mit reichem Figurenschmuck und ein Pavillon bereichern dieses 4000 Quadratmeter umfassende Gartenkunstwerk, welches den gewollten fließenden Übergang von Architektur und Natur augenfällig werden lässt.

Damit nicht genug. 2007 entstand ein weiterer Garten, der wieder eine Vielzahl von Besuchern anlocken wird. Wie schon im Barock können sich Jung und Alt in einem Labyrinth tummeln, welches dem der gotischen Kathedrale von Chartres in Frankreich nachempfunden ist. Ob dieses den Weg zur Erleuchtung zeigen kann, mag dahingestellt sein. Faszinierend ist es allemal. Manchmal endet alles, so wie im richtigen Leben, in einer Sackgasse.

Staudengarten

Im März 2008 wurde ein Staudengarten der Öffentlichkeit präsentiert, der ganz im Sinne Karl Foersters, eines Staudenzüchters und Gartenphilosophen aus Potsdam angelegt wurde. So sind jetzt nicht nur die exotischen Möglichkeiten der Gartengestaltung aus aller Welt thematisiert, sondern auch die deutsche Gartenkunst des 20.Jahrhunderts.

Garten Giardino della Bobolina

Seit Ende Mai 2008 ist (nach zweijähriger Bauzeit) nun auch ein Garten im Stil der italienischen Renaissance zu bewundern. Er trägt den Namen „Giardino della Bobolina“ nach der Zentimeter hohen Marmor-Figur der Venus von Groticella.

Ein wenig versteckt liegt er schon. Dichte immergrüne Gehölze verbergen ihn vor „neugierigen“ Blicken. Wagt man sich auf schmalen Wegen weiter, kommt man ein schmiedeeisernes Tor, welches den eigentlichen Garten, in dessen Mitte ein steinerner Brunnen steht.

Damit besitzt die Hauptstadt Berlin nun acht „Gärten der Welt“.
Ralf Salecker (Text, Fotos)

Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn

  • Eisenacher Str. 99 – 12685 Berlin
  • Tel.: 030/700906-699

Öffnungszeiten

  • Täglich ab 9 Uhr
  • Kassenöffnung:
  • täglich ab 9 Uhr bis 16 Uhr (November bis Februar)
  • bis 18 Uhr (März und Oktober)
  • bis 20 Uhr (April bis September)

Eintrittspreise

  • Tageskarte Hauptsaison
  • Erwachsene € 3,00
  • Kinder (6-14 J.) € 1,50
  • Schwerbehinderte (Ausweis) € 1,50
  • Jahreskarte
  • (gültig für den Britzer Garten, die Gärten der Welt im Erholungspark Marzahn und den Natur-Park Schöneberger Südgelände)
  • Erwachsene € 20,00

Verkehrsanbindung:

  • Eingang Eisenacher Str.:
    • S7 Marzahn/Bus 195
    • U5 Hellersdorf/Bus 195
  • Eingang Blumberger Damm (nur an Wochenenden und Feiertagen):
    • S7 Mehrower Allee/Bus X69 Detailplan

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