Halbinsel Stralau in Kreuzberg-Friedrichshain

Halbinsel Stralau in Kreuzberg-Friedrichshain

Im Schnee auf alten Spuren

Die Halbinsel Stralau ist ein Idyll und empfängt den Besucher mit dem früheren Maschinenhaus des Osthafens. Nach Unterquerung der Eisenbahnbrücke sieht der Spaziergänger Reste von Industriebetrieben. Sie erinnern an die frühere Industrialisierung: Die Palmkernöl- und Schwefelkohlenstofffabrik Rengert mit dem Palmölspeicher, das Glaswerk Stralau, die Engelhardt-Brauerei mit dem Flaschenturm sowie die Teppichfabrik Protzen mit der erhaltenen Fabrikantenvilla. Diese 1865 gegründete Fabrik war die erste Industrieanlage in Stralau. Sie und die Eröffnung des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg (heute Berlin-Ostkreuz) im Jahr 1882 leiteten die Veränderung der Halbinsel vom Fischerdorf und Erholungsgebiet mit Wassersportvereinen und  Ausflugsgaststätten zum Standort für Industrie und Wohnen ein. Die im Jahr 1894 erbaute Schule und Jugendstilhäuser zeugen davon.
Frühe Spuren einer Besiedlung der Halbinsel belegen Funde aus der Jungsteinzeit (3000-1800 v. Chr.). Eine germanische Siedlung (100-400 n.Chr.) und eine altslawische Befestigung (um 700) wurden nachgewiesen. Stralau gehört zu den ältesten Ansiedlungen im Raum Berlin. Vermutlich gaben die Wenden Stralau seinen Namen.
1358 erwarb die Doppelstadt Berlin – Cölln den dortigen Gutshof mit See. Im Jahr 1397 lebten 11 Fischerfamilien auf Stralau.
1574 verfügte Kurfürst Johann Georg, dass von Gründonnerstag bis zum Bartholomäustag nicht gefischt werden darf, um die Fischbrut zu schonen. So wurde der 24. August (Bartholomäustag) zum Tag des Anfischens und Feierns. Hier liegt der Ursprung für den 1780 aus der Taufe gehobenen Stralauer Fischzug – das beliebte Volksfest, welches bis zu seiner Aufgabe 1962 jedes Jahr in wüste Saufgelage ausartete.

[mappress mapid=“8″]
(Für eine Ansicht in Google Street View einfach das orange-gelbe Männchen auf die Markierung ziehen)

Bekannt wurde die Halbinsel Stralau durch den Tunnel, der im Jahr 1899 unter der Spree nach Treptow gebaut wurde. Dort fuhr bis zum Jahr 1932 eine Straßenbahn. Die Anlage war ein Versuchsbau und sollte schon 1886 zur Gewerbeausstellung im Treptower Park fertig sein.
Im Zweiten Weltkrieg diente der Tunnel als Luftschutzbunker. 1949 wurden die Tunneleingänge zugeschüttet und 1959 erfolgte die Einstellung des Straßenbahnverkehrs nach Stralau. Erhalten blieben die Namen Tunnelstraße auf der Stralauer und Platz am Spreetunnel auf der Treptower Seite.
Besondere Beachtung verdient das älteste Baudenkmal des Bezirks, die 1464 eingeweihte Dorfkirche. Der Feld- und Backsteinbau, mit dem 1824 von Friedrich Wilhelm Langerhans erbauten Turm, verfügt über die einzigen mittelalterlichen Glasfenster in Berlin. Bemerkenswert sind außerdem das Taufbecken und der Flügelaltar. Im Vorraum der Kirche ist eine Ausstellung über deren Geschichte zu sehen.
Der Evangelische Friedhof Stralau gehört zu den acht noch erhaltenen Dorfkirchhöfen in Berlin, die alle vor dem 17. Jahrhundert angelegt wurden.
Die Kapelle des Friedhofs wurde im Jahr 1912 erbaut. Mitte der 1920er Jahre wurde zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Stralauer ein Kriegerdenkmal errichtet.
Der älteste Grabstein auf dem Friedhof stammt aus dem Jahr 1795. Auf dem Friedhof sind der Naturwissenschaftler Johann Georg Krünitz (1728-1796), der Regionalhistoriker Friedrich Nicolai (1733-1811) und der Stralauer Kommunalpolitiker Louis Hugo Kracht (1865-1928) begraben. Außerdem liegen dort der Maler Julius Tübbecke (1824-1911), der Bildhauer Franz Tübbecke (1856-1937), der Kinderbuchautor Fred Rodrian (1926-1985) und der Grafiker Manfred Bofinger (1941-2006).
Geht der Blick über die Gräber auf die andere Seite der Spree, dann sieht man die Insel der Jugend, das Gasthaus Zenner und den Treptower Hafen.
An der Spree entlang, vorbei an modernen Wohnbauten für 3000 Einwohner, sind wir zum Friedhof gekommen. Gehen wir weiter bis zur Landspitze, ist das Kraftwerk Klingenberg und am anderen Ufer des Rummelsburger Sees das ehemalige Gefängnis 7 zu sehen.
Dem Uferweg folgend haben wir einen freien Blick auf den Rummelsburger See, auf dem Szenen für den Film Die Legende von Paul und Paula gedreht wurden und auf die beiden Inseln – Liebesinsel und Kratzbruch.
Es lohnt sich die Halbinsel Stralau zu erkunden, um im Westen die Sonne untergehen zu sehen.
Peter Siebke
(Foto Kapelle: Peter Siebke)

Verkehrsanbindung:

  • S-Bahn: Treptower Park, S8, S9, S85, S41, S42
  • Bus: Tunnelstraße, 104, 347


Dorfkirche Alt-Stralau

  • Die Kirche ist von Mai bis August jeden Sonntag von 11 bis 15 Uhr geöffnet.
  • Jeden 1. Sonntag im Monat um 10 Uhr finden Gottesdienste und jeden 4. Sonntag im Monat um 17 Uhr Konzerte statt.

[osm_map lat=“52.495″ long=“13.473″ zoom=“15″ width=“600″ height=“450″ marker=“52.495,13.471″]

QR Code Business Card