Am Barnimer Dörferweg
Wir befinden uns in Berlins nördlichstem Ausläufer, dem Tor zum Naturpark Barnim.
Hobrechtsfelde dürfte nur wenigen ein Begriff sein. Ein Ort, der seine Existenz der Kulturlandschaft verdankt, in der er sich befindet. Vor rund 200 Jahren wuchsen hier weite Kiefernwälder, aufgelockert durch feuchte Niederungen. Auf den wenigen nutzbaren Flächen wurde Ackerbau betrieben oder Viehfutter gewonnen.
Noch in der 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, Berlin hatte etwa rund 550000 Einwohner, wurden die Abwässer noch in offenen Rinnsteinen abgeleitet. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte Berlin rund 1,2 Millionen Einwohner. Immer wieder kehrende Epidemien veranlassten den Ingenieur James Hobrecht, unterstützt vom Arzt und Politiker Rudolf Virchow, in Berlin ein geschlossenes System zur Wasserversorgung zu entwickeln, welches auch die Ableitung und Reinigung des entstehenden Schmutzwassers bedachte. 12 unabhängige Radialsysteme, jeweils mit eigenem Pumpwerk ausgestattet, leiteten das Berliner Abwasser zu den Rieselfeldern. Rund 70 Millionen Mark verschlang das bemerkenswerte Projekt.
Die Versickerungsflächen wurden lange Zeit intensivst landwirtschaftlich genutzt. Das Gut Hobrechtsfelde entstand. Es war eines von vielen Stadtgütern rund um Berlin, die für die Nahrungsversorgung der Großstadt sorgten. Ein beeindruckendes Speichergebäude und einige wenige Gleise der alten Schmalspurbahn zeugen noch von dieser bewegten Vergangenheit.

