Rieselfelder Hobrechtsfelde

Rieselfelder Hobrechtsfelde

Am Barnimer Dörferweg

Wir befinden uns in Berlins nördlichstem Ausläufer, dem Tor zum Naturpark Barnim.
Hobrechtsfelde dürfte nur wenigen ein Begriff sein. Ein Ort, der seine Existenz der Kulturlandschaft verdankt, in der er sich befindet. Vor rund 200 Jahren wuchsen hier weite Kiefernwälder, aufgelockert durch feuchte Niederungen. Auf den wenigen nutzbaren Flächen wurde Ackerbau betrieben oder Viehfutter gewonnen.
Noch in der 60er Jahren des 19. Jahrhunderts, Berlin hatte etwa rund 550000 Einwohner, wurden die Abwässer noch in offenen Rinnsteinen abgeleitet. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte Berlin rund 1,2 Millionen Einwohner. Immer wieder kehrende Epidemien veranlassten den Ingenieur James Hobrecht, unterstützt vom Arzt und Politiker Rudolf Virchow, in Berlin ein geschlossenes System zur Wasserversorgung zu entwickeln, welches auch die Ableitung und Reinigung des entstehenden Schmutzwassers bedachte. 12 unabhängige Radialsysteme, jeweils mit eigenem Pumpwerk ausgestattet, leiteten das Berliner Abwasser zu den Rieselfeldern. Rund 70 Millionen Mark verschlang das bemerkenswerte Projekt.
Die Versickerungsflächen wurden lange Zeit intensivst landwirtschaftlich genutzt. Das Gut Hobrechtsfelde entstand. Es war eines von vielen Stadtgütern rund um Berlin, die für die Nahrungsversorgung der Großstadt sorgten. Ein beeindruckendes Speichergebäude und einige wenige Gleise der alten Schmalspurbahn zeugen noch von dieser bewegten Vergangenheit.

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In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts mussten die Felder einen erheblichen Anstieg der privaten und industriellen Abwassermengen verkraften. Die Flächen wurden großteiliger genutzt und standen nun ständig unter Wasser. Wegen der hohen Schadstoffgehalte im Boden wurde eine landwirtschaftliche Nutzung unmöglich.
Ab 1985, mit der Inbetriebnahme des Klärwerks Schönerlinde, wurden die Flächen nicht mehr als Rieselflächen benötigt. 1987, zur 750-Jahr-Feier Berlins, begann man mit dem Ausbau des Geländes zu einem Erholungsgebiet. Hundertausende Bäume und Büsche wurden gepflanzt. Ein geschlossener Wald konnte trotzdem nicht entstehen, zu schwierig waren die Wasser- und Bodenverhältnisse. Diese „Willkür“ der Natur hat bis heute ein kleinteilig bewachsenes Gebiet entstehen lassen, was gerade deswegen ihren besonderen Reiz ausmacht.
Ein wenig unverständlich scheint es schon. 100 Jahre lang wurde große Mengen an Flüssigkeit in den Boden eingetragen. Trotzdem ist von dem ehemaligen Feuchtgebiet nicht mehr viel erhalten. Die alten Abflussgräben entwässern den Boden noch immer. Es herrscht ein ausgesprochener Wassermangel. Genau dieser lässt die im Boden gebundenen Schadstoffe frei werden.
Mit umfangreichen forstwirtschaftlichen Maßnahmen und einer bewussten Wiederbewässerung wird an einer Stabilisierung der Verhältnisse gearbeitet.
Nachdem fast alle alten Rieselflächen eingeebnet und bewachsen sind, ist von der vormals streng gegliederten Fläche nichts mehr zu erkennen. Kreuz und quer führen Wege durch eine abwechslungsreiche Landschaft, in der viele seltene Tier- und Pflanzenarten ihr Heim gefunden haben. Kleine Wäldchen wechseln sich ab mit Feldern und Gehölzgruppen. Wanderer und Radfahrer haben unzählige Möglichkeiten, diese niemals langweilige Landschaft zu erkunden. Wer mag, kann sich einen Audioguide als Wanderführer im MP-3-Format kostenlos herunterladen (www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde/de/audio/index.shtml). Er bietet rund 40 Minuten Informationen zur Geschichte der Rieselfelder Hobrechtsfelde, sowie zu einzelnen noch erkennbaren Relikten dieser Vergangenheit.
Rinder und Pferde sollen dabei helfen, die offene Landschaftsstruktur auch in Zukunft zu bewahren.
In drei Versuchsbecken, dem großen und kleinen Reinigungsteich, sowie dem Teich am Waldrand, wird vorgereinigtes Wasser aus dem Klärwerk Schönerlinde verrieselt. Nach der biologischen Reinigung fließt das Wasser über den Lietzenseegraben zu den Feuchtgebieten in Richtung Bogenseekette und Karower Teiche. In Kombination mit aufwändigen Bodenbehandlungsverfahren kann so in vielen Jahren wieder ein Feuchtgebiet mit guten Bodenstrukturen entstehen. Auf einem Rundgang erfährt der Besucher mehr über das biologische Wasserreinigungsverfahren.
Heute sind die ehemaligen Rieselfelder Hobrechtsfelde ein Ort der Ruhe und Erholung. Sie bieten nicht nur die Möglichkeit von Naturbeobachtungen, oder gemütlichen Ruhepausen an den Rast- und Picknickplätzen, sind auch eine riesige Freiluftgalerie. Während der mehrstündigen Wanderung sind zahlreiche Skulpturen, die während der Bildhauersymposien „Steine ohne Grenzen“ von Künstlern geschaffen wurden, zu entdecken. Die meisten der Skulpturen finden Sie am Gorinseeweg.

Ralf Salecker

Verkehrsanbindung:

  • Bus: Hobrechtsfelde, 891

Wanderführer im MP3-Format:

  • www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/rieselfelder_hobrechtsfelde

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