Tegeler Fließ

Ein Grünstreifen am Rande Berlins

Im Norden von Berlin befindet sich eine der eindrucksvollsten und schönsten Naturlandschaften der Stadt, das Tegeler Fließ. Dieses besondere und in seiner Vielfalt einzigartige Biotop bietet vielen Tieren und Pflanzen einen wichtigen Lebensraum, in dem sie sich noch fast ungestört entwickelt können. So kann man an, in und auf dem zirka 29 Kilometer langen, weitestgehend frei mäandrierenden Bach unter anderem Rote-Liste-Arten, wie den Eisvogel oder im gewässernahen Bereich die vom Aussterben bedrohte Glattnatter beobachten. Pflanzen, wie das Bleiche und das Rote Waldvögelein oder die Gemeine Akelei sind neben 88 weiteren Arten der Roten Liste Brandenburgs entlang des Fließes zu finden.

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Die unterschiedlichen Biotoptypen, wie feuchte Niederungsbereiche, Seen, Quell‑ und Durchströmungsmoore oder Trockenrasengebiete bilden dabei die Einzelbausteine, die diese vielfältige Biotoplandschaft entstehen lassen. Auf engstem Raum ist hier für viele verschiedene Arten mit unterschiedlichen Standortbedingungen eine größtmögliche Artenvielfalt möglich. Auch die zum Teil landwirtschaftlich genutzten Gebiete als Weiden oder Mähwiesen tragen zu dieser Qualität wesentlich mit bei.

Die Vielfalt an Flora und Fauna, sowie das abwechslungsreiche Landschaftsbild des Flusstales haben dazu geführt, dass über das gesamte Gebiet verteilt in den letzten Jahren zahlreiche Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden. Unter anderem gehört dazu das Naturschutzgebiet Niedermoorwiesen am Köpchensee in Pankow-Blankenfelde oder das Naturschutzgebiet Kalktuffgelände bei Schildow. Das gesamte Tegeler Fließ steht unter Landschaftsschutz.


(Für eine Ansicht in Google Street View einfach das orange-gelbe Männchen auf die Markierung ziehen)

Entstanden ist das Tegeler Fließ nach der Weichseleiszeit, nachdem die Eismassen das gesamte Gebiet bis über Berlin hinaus bedeckt hatten und dadurch die typischen Landschaftsformen der Grundmoränen, Endmoränen, Sandern und Urstromtäler formten. Die abfließenden Schmelzwasser strömten aus dem Norden in das Berliner Urstromtal. Dabei entwickelte sich unter anderem auch das heutige Tegeler Fließ zu einem ausgeprägten Flusslauf, der sich ein breites und mit Kieseln ausgelegtes Bett erarbeitete. In den Talsenken entstanden große Niederungsmoore, die heute noch erheblich zu der biologischen Vielfalt des Talraumes beitragen. Bei Schildow hat sich darüber hinaus ein Hangmoor ausgebildet, das bis heute von einem ausgeprägten Schildgürtel gesäumt ist. Besonders prägend für das Landschaftsbild erweisen sich im gesamten Berliner Raum die vielen Findlinge aus Urgestein, die in Form von größeren Formationen oder aber auch als so genannte „Katzenköpfe“ die Landschaft – auch im Tegeler Fließ – beleben.

Ein fortlaufendes System aus zahlreichen Seen, die während der nachfolgenden Bewirtschaftungszeit aus Torfstichen und Mühlenstauen entstanden und das Tegeler Fließ in seinem Erscheinungsbild wesentlich geprägt haben, sind im Laufe der Zeit zum größten Teil verlandet. Lediglich der Hermsdorfer See und der Köpchensee sind heute noch in dieser Form erhalten. Die Quelle des Tegeler Fließes befindet sich zwischen den Ortschaften Summt und Basdorf.

Nach einer Lauflänge von 29 Kilometer mündet der bis zu 8 Meter breite und bis zu 80 Zentimeter tiefe Fluss in Berlin-Reinickendorf in den Tegeler See. Für Wanderer und Naturliebhaber gut und direkt begehbar ist das Gebiet des Tegeler Fließes ab Lübars. Ab hier findet man einen gut beschilderten Weg, vorbei am Freibad Lübars bis zum Hermsdorfer See. Entlang der Südseite dieses ehemaligen Mühlenstaus der Hermsdorfer Mühle geht es unter dem S-Bahndamm durch bis zu einem Abzweig, wo man sich über eine kleine Brücke auf die Dianastrasse wenden kann. Hier passiert man unter anderem das architektonisch interessante, städtebauliche Ensemble der Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Genossenschaft „Freie Scholle“. Die Entfernung von Lübars bis nach Hermsdorf beträgt nur etwa vier Kilometer.

An der Egidybrücke trifft man wieder auf das Fließ, um von hier aus an der Südseite des Flusses, vorbei an der Titusbrücke bis zu einem kleinen Wehr zu laufen. Der nun Richtung Norden führende Weg bringt den Wanderer an den Tegeler See. Etwas kürzer, zirka 7 Kilometer, ist der durchgängig am Fließ entlang führende, zum Teil mit Bohlen belegte Wanderweg nördlich des Flüsschens. An einem ruhigen Tag kann man hier in der Sonne verschiedene Eidechsenarten, wie zum Beispiel die Blindschleiche oder aber einen kräftig klopfenden Buntspecht leicht beobachten. Das Tegeler Fließ gehört zweifelsohne zu den am natürlichsten belassenen Landschaften von Berlin.

Für den Wanderer ist dabei die unmittelbare Nähe von besonderem Reiz, schon eine einfache S-Bahnfahrkarte (S-Bahnhof Hermsdorf) genügt, um schnell aus der Hektik der Stadt in die Ruhe der Natur abzutauchen. Für eine etwas längere Tour empfiehlt sich der Start am S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchsmühle und dann immer weiter am Fließ entlang,  bis zum Tegeler See.

Peter Siebke (Text),
Ralf Salecker (Fotos)
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Verkehrsanbindung:

  • S-Bahn: Waidmannslust, S1, S85
  • Bus: Alt-Lübars, 222

One thought on “Tegeler Fließ”

  1. Es wäre schön, wenn am Anfang oder am Ende der Beschreibung die Entfernung mit ungefährer Gehzeit angegeben wäre. Im Internet kann man sich de Strecke zuumindest mühsam zusammenlesen und -rechnen, im Kalender fehlt jedoch jegliche Angabe.

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