Wartenberger Feldmark

Wartenberger Feldmark

Von Hohenschönhausen in den Barnim

In einer Publikation zu den Regionalparks in Berlin und Brandenburg wird betont, dass nirgendwo in Europa der Übergang von der Stadt zum Land so urplötzlich stattfindet, wie am Übergang von Berlin nach Brandenburg. Der Ausbau von Großsiedlungen bis hart an die Stadtgrenze, um möglichst schnell für viele Menschen Wohnraum zu schaffen führte zu dem, was nun als „harte Stadtkante“ bezeichnet wird. Die Wohnsiedlungen, mit ihren weithin sichtbaren Wohntürmen und etwa 60 000 Wohnungen von Lichtenberg, Mahrzahn und Hellersdorf, sind ein markantes Beispiel dafür. Das nahe Umland war seit Jahrhunderten landwirtschaftlich genutztes Gebiet, welches gerade in der zurückliegenden Generation intensiv und großflächig genutzt wurde. Im Mittelalter noch stark bewaldet, mussten die Bäume dem landwirtschaftlichen Bedarf der Menschen weichen. Entsprechend gestaltet sich das Panorama der Landschaft heutzutage. Nichts unterbricht den schweifenden Blick in die Ferne. Im gesamten Umkreis zeigen sich Felder, Wiesen, Seen und niedrige Gehölze.

Kurz nach der Wiedervereinigung Berlins entstand der Gedanke, im  Stadtgebiet einen Ring an Grünflächen (mit dem Tiergarten als grünes Herz) zu gestalten. Ein Innerer Ring und ein Äußerer Ring sollten im Laufe der Zeit miteinander vernetzt werden. Diese Landschaftsräume dienen gleichermaßen der Freizeit und Erholung, in einem besonderen Maße aber auch als Frischluftkorridor für das Stadtklima. Teil dieses Berliner Freiraumsystems ist das im Nordosten gelegene Naherholungsgebiet auf dem Berliner Barnim.

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(Für eine Ansicht in Google Street View einfach das orange-gelbe Männchen auf die Markierung ziehen)

Der Landschaftspark

Die 210 Hektar große Wartenberger Feldmark, gelegen nördlich der Großsiedlung Hohenschönhausen, zwischen den Dörfern Wartenberg, Malchow und Lindenberg, war im Jahr 2000 Objekt eines landschaftsplanerischen Wettbewerbs, mit dem Ziel der Umgestaltung in einen Landschaftspark. Sie gehören zum Ortsteil Hohenschönhausen im Großbezirk Lichtenberg, der quasi zur Hälfte Teil des Barnims ist. Die Feldmark gehört zu den drei neuen in der Entstehung begriffenen Stadtrandparkanlagen im Norden Berlins (zwischen dem Gut Falkenberg und dem Park Neue Wiesen).

1883 erwarb die Stadt Berlin das heutige Gebiet der Wartenberger Feldmark, um dort in den Jahren darauf auf den Flächen um Blankenfelde, Malchow und Wartenberg eine Anlage zur Verrieselung der städtischen Abwässer zu errichten. Dazu wurde die bestehende Landschaft großflächig umgestaltet. Ein breit gefächertes Drainagesystem und Gräben zur Wasserabführung durchzogen die Gegend. Rund 120 Jahre lang versickerten hier die Abwässer der Großstadt. Jahrzehnte lang versorgten Malchower, Wartenberger und Falkenberger die Berliner mit Gemüse und Grünfutter, bis die Belastung der Abwässer eine Nutzung durch den Menschen unmöglich machte. Der Rieselbetrieb und die damit einhergehende Geruchsbelästigung verhinderte die weitere Ausbreitung der Großstadt in diese Richtung. Die Errichtung des Falkenberger Klärwerkes, welches 1968 in Betrieb ging, war eine wichtige Voraussetzung für den Bau der Großsiedlungen in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nach der Stilllegung und Einebnung der alten Rieselfelder konnte Bauland im großen Umfang gewonnen werden.

Die nun nicht mehr benötigten Rieselfelder wurden bebaut, teilweise wieder landwirtschaftlich genutzt. Anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins forstete man einen Teil des Gebietes wieder auf.

Von den Hauptentwässerungsgräben sind nur noch wenige übrig geblieben. Einhergehend mit der planmäßigen Schließung des Klärwerkes Falkenberg am 25. Februar 2003 fließen nach Schätzungen  nur noch rund 20 Prozent der bisherigen Wassermenge in das Flüsschen Wuhle, welches die Grenze zwischen den beiden vereinigten Bezirken bildet.

Das gesamte Gebiet ist Bestandteil des 4. Naherholungsgebietes „Berliner Barnim“ und gehört gleichzeitig zum länderübergreifenden Projekt Regionalpark „Barnimer Feldmark“. Während die drei anderen Erholungsgebiete (Spandauer Forst/Oberhavel, Grunewald/Havelseen, Müggelberge/Müggelsee) ihren Reiz aus der Kombination von Wäldern und Seen beziehen, wirkt diese Landschaft durch ihren schlichten unaufdringlichen Charme. Genau dieser soll in den nächsten Jahren durch vorsichtige Maßnahmen ausgebaut, akzentuiert und betont werden. Kleinere Flächen mit Laubmischwald (geplant sind 50 Hektar), Streuobstwiesen, Hecken und Wiesen sollen abwechslungsreiche, der Erosion entgegenwirkende, räumliche Strukturen und ökologisch wertvolle Randbereiche schaffen. Vorhandene Gräben und Feuchtgebiete sollen renaturiert werden.

Auf einer Weide werden Schottische Hochlandrinder und Heckrinder (eine Rückzüchtung der Anfang des 17. Jahrhunderts ausgerotteten Auerochsen) gehalten. Möglichst frei von menschlichem Zutun sollen sie in einem abgegrenzten Bereich als tierische Landschaftspfleger arbeiten. Auf natürliche Weise verhindern sie die Bildung von Gehölzen und bewahren so die freie Landschaft.

Bei alledem wird der Mensch nicht vergessen. Die nahen Großsiedlungen lassen dies nicht zu. Vor allem für diese wurde und wird so der dringend benötigte Naherholungsraum geschaffen.

Der motorisierte Verkehr soll außen vor bleiben. Die umfangreiche Erschließung der Umgebung für Fußgänger, Wanderer, Skater und Radfahrer (zum Beispiel die mit wasserdurchlässigem Asphalt versehene historische Ahornallee), sowie die gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel (S-Bahnhof Wartenberg) bieten einen bequemen Zugang zur weitläufigen Landschaft des Barnims.

Ralf Salecker (Text), Peter Siebke (Fotos)

Verkehrsanbindung:

  • S-Bahn: Wartenberg, S75
  • Bus: Zingster Straße, M4, M5

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