Zitadelle Spandau

Zitadelle Spandau

Festung und Burg

Dichtes Grün verbirgt die Zitadelle vor den Blicken von der Straße Am Juliusturm. Wir lassen die unruhige Großstadt hinter uns, wenn wir den Park betreten.
Die auf einer Insel gelegene Zitadelle liegt nordöstlich der Spandauer Altstadt am Zusammenfluss von Spree und Havel. Um auf das Gelände zu gelangen, überquert man auf der 1939 errichteten Zitadellenbrücke  den Westlichen Abzugsgraben. Guss- und Schmiedearbeiten zieren ihre Geländer und zeigen die historische Entwicklung des Helmes quer durch die Jahrthunderte.
Wir befinden uns nun im Zitadellenpark, einer kleinen Parklandschaft, die fast vollständig die alte Zitadelle umschließt.
Bewacht von Kriegsgott Ares führen rechter Hand zwei Wege bis zu einer Landspitze, von der aus man einen wunderbar weiten Blick auf die
seenartige Oberhavel genießen kann (Krienicke). Am 8. August 1567 inszenierte Kurfürst Joachim II. dort ein Kampfgeschehen zwischen Berliner und Spandauer Bürgern, das als „Knüttel- oder Knüppelkrieg“ in die Spandauer Geschichte einging.
Bevor man die Landspitze erreicht, muss ein Wehr überquert werden, welches manchmal sogar als Wildwassererzeuger für Kanuten dient. Kurz dahinter befindet sich die Freilichtbühne Spandau.
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(Für eine Ansicht in Google Street View einfach das orange-gelbe Männchen auf die Markierung ziehen)

Linker Hand der Brücke geht es am Zitadellengraben entlang weiter in Richtung Spandauer Schleuse und Ravelin Schweinekopf.
Die Festungsanlage der Zitadelle, eine der bedeutendsten Festungsbauten aus der Hochrenaissance (erbaut von Graf Rochus zu Lynar und Francesco Chiaramella), ist von einem breiten Wassergraben umgeben, dem Zitadellengraben. Er folgt der Außenform des Zitadellensterns mit seinen vier Bastionen (König, Königin, Brandenburg, Kronprinz). Diese und ihre direkte Umgebung sind seit 1959 Landschaftsschutzgebiet.
Über den 1864 aufgeschütteten Damm geht es am Defensionsgitter vorbei in den Innenhof der Festung.
Das Zitadellentorhaus wurde 1563 fertiggestellt, es war das erste Gebäude der neuen Festung. Der italienische Architekt Chiaramella gestaltete den Eingang als Kopie des Stadttores von Verona.
Der Juliusturm (links vom Tor gelegen), das Wahrzeichen Spandaus, ist das älteste Bauwerk Berlins. Die Findlinge des Turmsockels ermöglichen eine Datierung in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Er ist gemeinsam mit dem Wohn- und Saalbau für die Herrschaft der Burg, dem sog. Palas, Teil des erhaltenen Restes der spätmittelalterlichen Burganlage Spandaus.
Folgenschwer für den Turm war der Beschuss der Zitadelle durch preußische Truppen 1813: Er brannte aus. Als Folge stürzte 1822 die Mauerkrone
herunter. Karl Friedrich Schinkel erhielt 1836 den königlichen Befehl, einen neuen Zinnenkranz zu entwerfen.
Wegen seiner sicheren Lage innerhalb einer Festung diente der Turm bereits 1650 als Aufbewahrungsort des kurfürstlichen Silberschatzes. Nach dem Krieg 1870/71 wurde der Juliusturm zum Lagerort für den Reichskriegsschatz bestimmt und über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt.
Der Palas schließt in nordöstlicher Richtung an den Juliusturm an.
Kurtinen verbinden die Bastionen der Zitadelle. Die Nordkurtine ist die einzige Kurtine, die zur Sicherung der Wasserfläche im Vorfeld der Festung keine Verteidigungsgalerie besitzt.
Die Ostkurtine, zwischen den Bastionen Brandenburg und Königin, besitzt im Ansatz an die Bastion Brandenburg eine Kasematte mit zwei Verteidigungsstellungen zur Sicherung der rechten Flanke.
1983 stießen Archäologen auf Reste einer spätslawischen Anlage aus dem 11. Jahrhundert und auf Fundamente einer Ringmauer des 15. Jahrhunderts. Im 1994 neu geschaffenen Foyer B (innerhalb der Westkurtine) besteht die Möglichkeit, die Entwicklung der Burg Spandaus im Verlauf mehrerer Jahrhunderte zu betrachten.
Architektonisch interessant sind die 1822-1824 erbauten Italienischen Höfe mit ihren Schwibbögen, die im Entwurf ebenfalls auf Lynar zurückgehen.
Auf der Zitadelle sind nicht nur Natur und Historie zu bestaunen. Künstler, Kunsthandwerker, eine
Instrumentenbauwerkstatt (www.klang-holz.de) und viele Veranstaltungen zeugen von Lebendigkeit.

Ralf Salecker

Zitadelle

  • Am Juliusturm 64, 13599 Berlin
  • www.zitadelle-spandau.de

Öffnungszeiten:

  • Mo–So von 10 bis 17 Uhr
  • Eintritt inklusive Museum, Juliusturm, Ausstellungen: 4,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro; Familienkarte 10,– Euro

Verkehrsanbindung:

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