Fernab von Ballungszentren erstrahlt der nächtliche Sternenhimmel in einer für die meisten Menschen ungewohnten Pracht. In den großen Städten erblicken wir gerade einmal 10 Prozent der Gestirne. Damit geht uns das unvergleichliche Naturerlebnis eines sternenübersäten Himmels verloren.
So waren es zuerst Astronomen in der Mitte des letzten Jahrhunderts, die mit dem Problem der Lichtverschmutzung („light pollution“) konfrontiert wurden. Gemeint ist hiermit nicht die Verschmutzung von Licht, sondern die Verschmutzung durch das Licht selbst.
Gerade einmal hundert Jahre lang nutzen wir elektrische Energie zur Außenbeleuchtung. In den letzten drei Jahrzehnten stieg die Zunahme der angewendeten Leuchtsysteme sogar exponentiell an. Bei gleichem oder geringeren Stromverbrauch steigt zusätzlich noch die Lichtausbeute. Dazu kommt die stete Zunahme der Siedlungs-, Industrie- und Handelsflächen. Nicht nur für die Straßenbeleuchtung, sondern in einem immer stärkeren Maße für Werbung und dekorative Zwecke, wie zum Beispiel Skybeamer oder Gebäudebe­leuch­tung, macht Licht uns immer mehr die Nacht zum Tage. Manche Städte scheinen bei Nacht attraktiver zu sein als tagsüber. Licht ist allgegenwärtig. Es wird versucht Helligkeit durch noch mehr Helligkeit zu übertrumpfen.
Nähern wir uns einer Stadt vom „lichtlosen“ Land, dann fällt uns schon aus großer Distanz ein Lichtdom auf, der sich darüber wölbt. Feste oder flüssige Partikel (Aero­sole wie Feinstaub und Wassertröpfchen), streuen das Licht in alle Richtungen. Aus dem Weltall betrachtet, lassen sich die industrialisierten Zentren als eine Zusammenballung von Lichtpunkten ausmachen. Die Universität Padova in Italien erstellte mit Hilfe eines Satelliten 2001 die erste Weltkarte der Lichtverschmutzung. Während Astronomen vorher nur einen subjektiven Kontrastwert als Maßstab der Lichtverschmutzung beschrieben, der ein Maß für die Beobachtungsqualität eines Objektes am Sternenhimmel war, kann nun die exakte Lichtmenge in Form elektrischer Impulse bestimmt werden.
Zur Lichtverschmutzung trägt nicht nur das von der Quelle direkt emittierte Licht bei. Ebenso sind hier die reflektierenden Eigenschaften der Umgebung von Bedeutung.
Lichtverschmutzung könnte auch wie folgt beschrieben werden: Künstliches Licht, welches ungerichtet strahlt (etwa Straßenbeleuchtung, die auch nach oben strahlt), in zu großen Intensitäten eingesetzt wird (Gebäudebeleuchtung, Skybeamer), oder zu Zeiten eingesetzt wird, die in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen steht (wie etwa nächtliche Werbung). Alles in allem ist es also sichtbare Strahlung, welche aus ökologischen Gründen oder nach subjektivem Empfinden ungünstige Auswirkungen hat.
Es geht also nicht nur um ein „paar Astronomen“, die sich mit ihren Teleskopen in die entferntesten Winkel der Welt zurückziehen müssen, oder um Bürger, denen die nächtlichen „Leuchtfeuer“ einfach zuviel werden.
Menschen, Tiere und Pflanzen haben sich im Laufe ihrer Evolution auf den natürlichen Wechsel von Tag und Nacht eingestellt. Die innere Uhr der Lebewesen benötigt diesen äußeren Einfluss zur Steuerung einer Vielzahl von Prozessen. Im einfachsten Falle bedeuten diese Reize zur „Unzeit“ einen erheblichen Stressfaktor.
In der Dunkelheit produziert der Körper Melatonin. Ist zuwenig davon vorhanden, steigt möglicherweise die Gefahr von Brustkrebs, wie Studien immer wieder aufzeigen *).
Während Tageslicht normalerweise diffus in Erscheinung tritt, die wir eher als Reflektion erfahren, existieren bei Nacht immer mehr punktförmige und damit potentiell blendende Lichtquellen.
Insekten werden von diesen nächtlichen „Leuchttürmen“ geradezu magisch angezogen. Sie vernachlässigen so ihre Nahrungsaufnahme oder Fortpflanzung. Bei klaren Witterungsbedingungen wirken diese noch auf Distanzen von 400 bis 700 Meter, in einer hellen Vollmondnacht dagegen nur bis etwa 50 Meter. Das Ergebnis hat jeder von uns schon gesehen. Unzählige tote Insekten in den Lampenkästen. Solche Lampen wirken praktisch wie große Staubsauger auf die Insekten. Entweder werden sie zum Opfer von Räubern, die sich auf diese neuen Futterquellen spezialisiert haben oder sie sterben den Hitze- oder Erschöpfungstod. Die Artenvielfalt ist stark gefährdet wenn davon abhängige Lebenssysteme betroffen sind. Pflanzen werden möglicherweise nicht mehr ausreichend bestäubt, Tieren fehlt die Nahrungsgrundlage.
Zugvögel (zumeist nachts reisend) die sich zum Teil nach Mond und Sternen richten, geraten durcheinander (entweder als Schreckreaktion oder durch die Ablenkung). Bei schlechter Sicht wählen sie künstliche Lichtquellen zur Orientierung, mit fatalen Folgen.

Lösungsansätze

Kugelförmige Lampen strahlen in alle Richtungen. Gegen ungerichtetes Licht lässt sich sehr einfach etwas unternehmen, denn es macht keinen Sinn den Himmel zu beleuchten. Hier kann die Geometrie der Lampen verändert werden, damit das Licht nur noch das gewünschte Ziel, also die Straße, bestrahlt.
Die Farbtemperatur hat einen großen Einfluss auf die Attraktivität für Insekten, die sich von einem höheren UV-Anteil oder von Licht im kurzwelligen sichtbaren Bereich angezogen fühlen. Der Mensch selbst wird durch rötlicheres Licht weniger stark geblendet, als durch strahlend weißes Licht. Natriumdampf-Niederdrucklampen oder die etwas helleren Natrium-Xenon-Lampen sind an ihrem charakteristisch dunkelgelben Licht leicht erkennbar und gleichzeitig eine stromsparende Alternative.
Leuchtende Werbung könnte prinzipiell den gleichen zeitlichen Beschränkungen unterworfen werden, wie ruhestörender Lärm. Nicht jede kleine Straße muss zu jeder Nachtzeit perfekt ausgeleuchtet sein, dies bedeutet in keinem Falle eine geringere Sicherheit!
In der Tschechischen Republik wurde 2002 ein Gesetz zum Schutz vor schädlichen Lichtemissionen erlassen. Demnach darf es keine Lichtstrahlung über die Horizontale (also nach oben) geben. Ebenso ist die maximale Beleuchtungsdichte genau festgelegt.
In Deutschland ist die Rechtslage kompliziert, da hier Bundes- und Landesgesetze, sowie Verordnungen auf Kreis- und Stadtebene greifen.

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